denlenfrit

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Ein Freund sagte neulich, er möchte seinen relativ modernen Mercedes-Kombi abgeben und stattdessen ein Fahrzeug kaufen, das keinen Bordcomputer hat und auch nicht die vielen damit verbundenen Helferlein. Ein Auto, das mit ihm spricht, selbst einparkt oder das ihm sagt, wann es in die Werkstatt möchte, das braucht er nicht.
Wäre da nicht die beste Ehefrau der Welt, ich wäre dabei. Dass ein solcher Wagen inzwischen deutlich über 30 Jahre alt sein müsste wäre kein Problem. Ich liebe es.

Alte Autos sind anders und wir müssen darauf Rücksicht nehmen. Sie möchten auch heute noch so gefahren werden, wie es bei ihrer Auslieferung üblich war. Damals fuhr man eher gemütlich. Lange Vollgasfahrten waren kaum möglich. Versucht man es heute dennoch, dann zeigen vor allem britische Langhuber schon bald, was sie davon halten.

Service
petzoldts buecher
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Service 4
Austin 7 Ölwanne
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Service 7
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Service 3
Technik
Nippel 1000

Das Divers Manual

Bei Wartung und Pflege muss der Old- & Youngtimer Pilot heute – ganz ohne Computer-Bevormundung - deutlich mehr beachten, als er es von modernen Fahrzeugen her gewohnt ist. Die Fahrerhandbücher von früher sagten was zu tun ist, ohne dass etwas aufleuchtet. Selbst vor einer kürzeren Ausfahrt ist einiges zu tun, wenn man sicher an- und zurückkommen möchte. Es macht Sinn, die dort beschriebenen Regeln genau zu beachten.
Es wäre ein großer Fehler zu warten, bis eine gelbe oder rote Anzeige aufleuchtet. Das sagt lediglich, dass kein Öldruck mehr vorhanden ist oder dass der Keilriemen gerissen ist. Hält man nicht sofort an, dann kann es teuer werden.
Bei einem früher nicht unüblichen Öl-Verbrauch von 1L/100km sollte man den Ölstand regelmäßig prüfen und darauf achten, dass der Pegel nicht zu nahe am Min-Strich des Peilstabes steht.
Gerade bei wenig und nur auf Kurzstrecken genutzten Fahrzeugen sollte das Motoröl jährlich , möglichst noch vor der Winterpause, gewechselt werden. Bei der Wahl des Öls muss beachtet werden, dass die Bauart des Motors (mit oder ohne Filtersystem) unterschiedliche Ansprüche an das Öl stellt. Bei Fahrzeugen, ohne Filter wird ein Öl benötigt, das die Ablagerung von Partikeln in der Ölwanne unterstützt. Bei neueren Fahrzeugen mit Filter, muss das Öl diese Partikel aufnehmen und sie bis zum Filter transportiert. Der wird dann beim Öl-Wechsel getauscht. Beim AUSTIN-Seven sagt die Anleitung z.B., dass mit dem Ölwechsel, spätestens nach 3000 Meilen, also nach knapp 5000 km die Ölwanne abgebaut und gereinigt werden sollte. Heute ist kaum denkbar, dass man so etwas selber macht. Anders bei dem Luftfilter am Vergaser. Der sollte bei der eigenen Inspektion zumindest auf seinen Zustand geprüft werden und u.U. erneuert werden. Aber selbst vermeintliche Kleinigkeiten, wie das Schmieren der Türscharniere darf nicht vergessen werden. Kompetente Ansprechpartner findet man unter "Schmiermittel"
Das letzte Abschmieren von Lagerstellen an Wellen und Radaufhängung sollte nicht zu lange her sein. Bei einigen MORGAN - Fast-Oldtimern empfiehlt der Hersteller zum Beispiel, dass die Vorderachse alle 200 Meilen (370 km) geschmiert werden sollte. Dass hängt mit der Prewar-Konstruktion der Achse zusammen. Harry F. S. Morgan hat sie 1909 entwickelt und Morgan hat im Laufe der Jahre viele Versuche unternommen das System zu verbessern. Bis heute fahren fast alle Morgan immer noch mit dieser Pflege-intensiven Achskonstruktion.
Modernere Oldtimer lassen uns etwas mehr Zeit dafür. Regelmäßiges Schmieren ist aber auch bei denen wichtig.
Die To-Do-Liste im Fahrerhandbuch ist seitenlang.
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Tyres
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Morris-Rad1
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Jaguar   Vredestein

Ersatz oder Revision von Bauteilen.
Heute werden Fahrzeuge am Computer entwickelt. Dadurch ist es möglich alle Bauteile für eine sehr begrenzte Nutzungsdauer, bzw. Laufleistung auszulegen. Ein Radlager wird nicht nachgefettet und auch die Türscharniere haben genug Schmiermittel für die geplante Lebensdauer bekommen.
Vor über 30 Jahren war das so noch nicht möglich. Alles wurde mit hohem Sicherheitsaufschlag berechnet. Eine Nutzungsdauer von mehr als 30, 50 oder noch mehr Jahren war jedoch nie das Ziel. Da macht es Sinn sicherheitsrelevante Bauteile von Fahrwerk und Antrieb gelegentlich auf ihren Zustand überprüfen zu lassen. Der rechtzeitige Ersatz von Verschleißteilen in allen Bereichen lohnt sich und macht das Fahrzeug für weitere Jahre sicher und zuverlässig.
Es gibt hier viele Beispiele, auf die man erst kommt, wenn Veränderungen beim Fahrverhalten, ungewöhnliche Geräusche oder auch Öl- und Leistungsverlust beim Motor nachdenklich machen. Auch wenn der noch „gut“ ist, läuft er besser und zuverlässiger, wenn er einer Revision unterzogen wurde. Gut gemachte BMC-Motoren lassen kaum Öl unter sich, auch wenn Unkenrufe das Gegenteil behaupten. Verschlissene, britische Motoren ölen dafür umso mehr.
Bei der Kardanwelle haben, im Laufe der Jahre, nicht nur die Kreuzgelenke gelitten. Korrosion, Farbe und einseitig aufgesprühter Unterbodenschutz können unangenehme Vibrationen und andere Probleme auslösen. Es ist kein zu großer Aufwand, wenn man diese, nach über 30 Jahren ausbaut und die uralten Kreuzgelenke ersetzen lässt. Hinterher erkennt man dann, dass die Revision eine gute Idee gewesen ist, weil auch Vibrationen, die man nicht zuordnen konnte, verschwunden sind.
Das gilt auch für die Reifen. Nach 10 Jahren altern auch moderne Gummimischungen so stark, dass sie trotz neuwertiger Profiltiefe, gefährlich werden. Diese sollten unbedingt erneuert werden. Natürlich schmerzt es, die optisch fast neuwertigen Reifen zu entsorgen zu müssen. Es nicht zu tun kann noch schmerzhafter sein, denn ausgehärtetes Gummi hat deutlich schlechtere Reib- und Bremswerte als das von neuen Pneus.
Ähnlich ist es mit der Bremsflüssigkeit. Bei modernen Fahrzeugen fordert das Display bereits nach 2 Jahren zum Wechsel auf. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, das heißt, sie nimmt Wasser auf, was zum Bremsversagen führen kann. Ein guter Oldtimer-Spezialist prüft zunächst, ob der Wechsel wirklich erforderlich ist. Alternativ kann die übliche DOT4 durch eine DOT5-Silikon-Bremsflüssigkeit ersetzt werden. Im Gegensatz zu DOT4 nimmt diese kein Wasser auf und muss nicht mehr erneuert werden.
Der gute Zustand der Bremsanlage ist besonders wichtig. Ein Bremszylinder, der heute nur ein wenig nässt, der kann schon morgen zum Bremsproblem oder zu Schlimmeren führen.
Änderungen am Bremssystem
Ob man dann so weit geht und originale Bremssysteme, z.B. Seilzugbremse durch modifizierende Bausätze "verbessert", das hängt vom Fahrzeug, von seiner Nutzung und vor allem von der Sichtweise seines Besitzers ab. Möchte man den Oldtimer nicht nur für gelegentliche Touren nutzen, sondern auch regelmäßig im dichten Verkehr oder in der Großstadt fahren, dann kann eine modifizierte Bremsanlage eine gute Alternative sein. Ob die Entscheidung richtig war, das hängt oft mit dem Fahr- und Bremsverhalten des Vordermannes zusammen. Etwas mehr Sicherheitsabstand ist schnell wieder gefüllt.
Das Fahrwerk
Das Fahrwerk ist ein weiterer Sicherheitsfaktor. Gummibuchsen an beweglichen Lagerstellen in der Vorderachse oder den Blattfedern sind mit den Jahren hart und rissig geworden. Das hat nicht nur Einfluss auf Geräusche, sondern auch auf Spurtreue und Fahreigenschaften des Wagens. Der Ersatz originaler Gummi-Buchsen durch PU-Buchsen (= Polyurethan) kostet nicht viel, kann sich aber positiv auf Fahrverhalten und Lebensdauer auswirken, ohne dabei Nachteile bei den Geräuschen zu verursachen.
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Lins-Spax-front 1000
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Die Räder
Dass Speichenräder verschleißen, das ist bekannt. Eine Reparatur ist nur bei besonders seltenen / nicht mehr lieferbaren Rädern sinnvoll, denn für jüngere Oldtimer gibt es kostengünstige Wire Wheels in Lack- Chrom. Auch der Ersatz originaler Stahlfelgen durch Aluminium-Felgen, in klassischem Desingn, kann eine Option sein.
Stoßdämpfer
Mit uralten Reibungsdämpfern kann man einen Oldtimer auch heute noch ohne Probleme weiter nutzen, wenn diese in gutem, geprüftem Zustand sind. Das gilt auch für modernere Stoßdämpfer. Nach 30 Jahren, oder auch früher, sollten auch diese geprüft und u.U. ersetzt werden. Selbst für Fahrzeuge mit uralten Hebel-Dämpfern werden abgestimmte Umbau-Kits auf moderne Stoßdämpfer angeboten. In der Regel sind solche Umbauten von außen nicht zu erkennen. Den Unterschied in den Fahreigenschaften spürt man jedoch deutlich.
Neben vielen Händlern von Oldtimer-Ersatzteilen bietet auch die Firma SPAX solche Umbau-Systeme an. Vorteilhaft ist hier, SPAX- Dämpfer lassen sich in der Härte verstellen, was die Anpassung an das besondere Fahrzeug und an das eigene Fahrverhalten möglich macht.
Setzt man hingegen auf die min 50 Jahre alten Originale, dann sollte man hin- und wieder prüfen, ob noch genug Hydraulik-Öl vorhanden ist. Gabel-Öl aus der Motorrad-Werkstatt ist dafür meist gut geeignet.
Bei Fahrzeugen mit SU-Vergasern und auch bei einigen Stromberg-Vergasern muss geprüft werden, ob noch genug Dämpfer-Öl vorhanden ist. Es werden dafür spezielle Öle angeboten, ein normales 20 W/30 Öl ist meist auch geeignet.
Die Auflistung im Fahrer-Handbuch ist sehr lang und fast alles kann man, mit etwas technischen Geschick, selber erledigen. Hat man erst einmal begonnen, dann findet man noch weitere Aufgaben und am Ende ist man froh, dass man diese, noch vor einer möglichen Panne, gefunden und erledigt hat.
Das Reinigen von Lack & Interieur wird eher selten vergessen. Auch hier kann es Sinn machen die Hilfe professionelle Aufbereiter in Anspruch zu nehmen. Die haben deutlich mehr Mittel und Möglichkeiten.
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Zuverlässigkeit
Oldtimer können genauso zuverlässig funktionieren wie moderne Fahrzeuge. Unsere Eltern sind damit, über die Alpen bis nach Italien gefahren und auch ohne Pannen wieder zurückgekommen. Sie wussten aber auch, dass einfach nur tanken für eine solche Reise nicht ausreichend ist.
Lassen Sie sich vom Fahrerhandbuch Ihres Oldies inspirieren. Sie werden noch viele weitere Aufgaben finden.
Nutzen auch Sie die Zeit! Wenn es wieder warm und sonnig ist, hat man Besseres zu tun, als unter dem Auto zu liegen.
H mit Lenk-Servo geänderte Pedale
Bremskraft-Verstärker
Sicherheitsgurt
E.Tune-Speedster
Auspuff-Rostfrei
Reifen Räder Bremsen
Stoßdämpfer

Diesen Bericht durften wir mit freundlicher Erlaubnis des Austro Classic aus dem aktuellen Magazin übernehmen.

Donnerstag, 01. Juli 2021
Jürgen Feye-Hohmann
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