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Gas geben

Alle sprechen über E-Mobility. Zwar sind noch längst nicht alle Probleme gelöst, aber die Entwicklung geht rasend schnell voran. Im Bereich der Batterietechnik gibt es noch viele offene Fragen. So ist zum Beispiel die Entsorgung verbrauchter Batterien noch nicht vollständig geklärt. Auch bei der Umweltfreundlichkeit ist nicht alles so schön, wie man uns Glauben machen möchte. Berücksichtig man die Emissionen bei der Herstellung des neuen Fahrzeuges, dann ist es nicht wirklich umweltfreundlich damit rein elektrisch zu fahren.
Trotzdem wird zunehmend mehr über die nachträgliche Elektrifizierung von Oldtimern nachgedacht. Wir unterstützen mit unserer Seite einige E-Spezialisten die solche Umbauten anbieten.

Die Frage an den Fachmann
Wir haben einen Entwicklungsingenieur, der im Emobility-Bereich eines großen deutschen Automobilkonzern tätig ist, gefragt wo er die Zukunft der elektrischen Antriebstechnik sieht. Im Moment werde die Batterielösung mit Ladestationen vorangetrieben. Für größere Fahrzeuge würde er die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie im Vordergrund sehen. Auch hier ist die Industrie bereits weit fortgeschritten, auch wenn es weniger publik gemacht wird.  
Das Umrüsten von vorhandenen Fahrzeugen auf elektrische Antriebe sah er als wenjger sinnvoll an. Unter vorgehaltener Hand meinte er, dass das Umrüsten von Benzin auf Gas-Antrieb kostengünstiger sei und über alles gesehen auch deutlich umweltfreundlicher ist, als das Verbrennen von Benzin oder Diesel-Treibstoff.
Zu modern für Oldtimer?
Bei unseren Recherchen zu dem Gas-Thema sind wir auf Gasumbauten aus den 30ger Jahren gestoßen. Vor allem mit Benzin angetriebene LKW wurden damals wegen Treibstoffmangels auf Gas umgerüstet. Übermäßig modern ist das Thema also nicht, auch wenn die heutigen Anlagen vermutlich deutlich effektiver und sicherer arbeiten als das was früher verbaut wurde.
Warum LPG_Gas und nicht Erdgas
Wir wollten es wissen und haben unseren kleinen britischen Kastenwagen auf LPG-Gas umrüsten lassen. Der Vorteil bei LPG-ist, dass es unter Druck flüssig wird und dadurch, gegenüber Erdgas, bei gleichem Tankvolumen, eine deutlich weitere Reichweite hat. Ausserdem gibt es bereits optinierte LPG-Systeme für verschieden Fahrzeuge und vor allem mehrere Spezialisten, die mit dem Umbau und der TÜV-Prüfung bei Oldtimern Erfahrungen gesammelt haben. 

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Der Umbau
Es werden verschiedene Gasanlagen angeboten. Wir haben uns für ein modernes, Computer-gesteuertes System entschieden. Im Motorraum wurden die Veränderungen so unauffällig wie möglich vorgenommen. Pro Zylinder wurde jeweils eine Einspritzdüse in den Ansaugkanal montiert, die mit den verdeckt montierten Steuerventilen verbunden ist. Das Gas kommt flüssig über ein Sicherheitsabsperrventil zu dem Verdampferdruckregler. Erst hier wird es gasförmig. Ein Steuergerät bekommt seine Signale von der Zündspule und von einer Lambda-Sonde im Auspuffkrümmer. Ein Mikroprozessor regelt die Gasmenge und stellt so eine schadstoffarme und wirkungsoptimierte Verbrennung im Motor für alle Drehzahlbereiche sicher.
Im Fahrgastraum finden wir nur einen unauffällig montierten Schalter (im Beispiel-Foto von einem Bentley ist er links neben der Lenksäule zu sehen). Damit kann zwischen Gas- oder Benzinantrieb gewählt werden. Im Schalter integriert ist die Füllstands-Anzeige für den Gastank
Der Gastank
Er wird in der Regel im Kofferraum montiert. Der 100 Litertank im Bentley lässt hier noch genügend Kofferraum übrig. Bei kleineren Fahrzeugen, wie bei dem MGB, einem Morris Minor und ähnlichen können ringförmige Tanks in der Reserveradmulde montiert werden. Als Ersatz für das Reserverad muss ein Reifen-Reparatur-Spray mitgeführt werden. Durch moderne Reifentechnik ist das heute kein Problem mehr und bei vielen modernen Autos üblich. TÜV und Polizei haben kein Problem damit.
Der Gaseinfüllstutzen ist sehr klein und kann unauffällig an verdeckten Stellen montiert werden.
TÜV und H-Kennzeichen?
Bis vor kurzem wurden Gasanlagen noch in Verbindung mit H-Kennzeichen akzeptiert. Zumindest was den TÜV-Nord betrifft hat sich einiges geändert. Hier die Antwort auf unser Nachfragen.
Ein Oldtimer nach § 21 c StVZO, der ein H-Kennzeichen hat, muss verschiedenen Kriterien bezüglich der Originalität und der kulturhistorischen Bedeutung entsprechen. Alle Anforderungen sind in einer Richtlinie für die Bewertung von Oldtimern zusammen gefasst.
Ein Oldtimer darf durchaus umgebaut oder technisch verändert sein, jedoch muss dies grundsätzlich mit zeitgenössischen Teilen erfolgen (und selbstverständlich StVZO-konform sein). Als zeitgenössisch gelten Umbauten, die spätestens 10 Jahre nach der erstmaligen Inbetriebnahme vorgenommen wurden oder hätten vorgenommen werden können.
Daher ist es nach wie vor zulässig, eine zeitgenössische Flüssiggasanlage in einen Oldtimer einzubauen. Moderne Flüssiggasanlagen verändern den ursprünglichen Charakter des Fahrzeugs, so dass das Fahrzeug dann kein Oldtimer im Sinne des § 21 c StVZO mehr ist. Ältere Systeme, wie z.B. die ungeregelten Venturi-Anlagen werden jedoch akzeptiert.
Einzelne Prüfer / Prüfstellen entscheiden von Fall zu Fall unterschiedlich.
Wenn das über 30 Jahre alte Fahrzeug, mit einem normalen Kennzeichen genutzt wird, dann kann eine moderne Autogasanlage ohne Einschränkung genutzt werden. In dem Fall kann Umweltfreundlichkeit auch Kostenvorteile haben. Die AXA-Versicherung bestätigte uns, dass ein solcher Umbau keinen Einfluss auf den Oldtimer-Versicherungsvertrag habe, wenn das Fahrzeug auch weiter nur als Oldtimer genutzt wird.
Bereits umgebaute Fahrzeuge mit H- oder 07-Kennzeichen sind von den Änderungen nicht betroffen und haben weiter Bestandschutz.
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Groß und Klein
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Der Verbrauch
Das LPG Gas hat einen etwas geringeren Brennwert, was die Fahrleistungen beeinflussen kann. Ein Leistungsverlust von 5 bis 10 % ist zu erwarten. Durch eine optimale Position der Düsen und die moderne Steuerungstechnik, kann die Leistung beim Oldtimer in Teilbereichen sogar verbessert werden. Messungen haben das bestätigt.
Dank der hohen Oktanzahl von 110 ist dieser Treibstoff für alle Motoren geeignet. Es wurden sogar schon moderne Gasfahrzeuge im Renneinsatz erfolgreich getestet.
Die Kosten
Bei unserer Recherche wurden wir von mehreren Spezialisten unterstützt, die neben modernen Fahrzeugen auch historische Fahrzeuge umgebaut haben. Der Umbaupreis hängt natürlich stark vom Fahrzeug (4, 6, oder 8 Zylinder, Tankgröße usw.) ab. Laut JKM / Herrn Kloth ist ein unproblematischer Umbau schon für 2000 € möglich.
Hinweisen auf billigere, polnische Umbauten sind wir nicht nachgegangen. Die befragten TÜV-Ingenieure hatten hier einige Bedenken, weil diese Umbauten oft nicht die bei uns geforderten Standards erreichen.
Möglicherweise vermissen Sie auch Hinweise auf Erdgasumbauten. Leider habe wir keine Informationen zu auf Erdgas umgebaute Oldtimer finden können. Der Vorteil beim Erdgas liegt bei den etwas geringeren Treibstoffkosten. Nachteilig ist jedoch der deutlich größere und schwerere Tank, der schlechtere Brennwert und die schlechtere Verfügbarkeit im europäischen Ausland. LPG-Autogas (ein Gemisch aus Propan, Butan) ist ein Kohlenwasserstoff, der unter relativ geringem Druck flüssigt wird und dann nur etwa 1/260 seines gasförmigen Volumens einnimmt, während das Erdgas nur komprimiert werden kann.
Bewertung von Gasfahrern
Alle Besitzer von umgebauten Oldtimern, meist Holländer, waren sehr zufrieden. Per Knopfdruck kann bei einem so genannten bivalenten Antrieb – auch während der Fahrt – von Autogas- auf Benzinbetrieb gewechselt werden. Ein Unterschied war für mich nicht bemerkbar. Vorteilhaft ist aber, dass bei einem leeren Gastank eine Weiterfahrt, dann mit Benzin, ohne Unterbrechung möglich ist. Der bivalente Antrieb garantiert somit eine deutlich größere Reichweite. Ein Pluspunkt, der in der gegenwärtigen Aufbauphase des Autogastankstellennetzes einen besonderen praktischen Wert hat.
Rechnet sich der Umbau
Bei einem normal genutzten Fahrzeug lässt sich der Vorteil leicht über eine Kosten / Nutzen-Rechnung, je nach Verbrauch, Laufleistung usw., ermitteln. Bei Oldtimern könnte die deutlich bessere Umweltverträglichkeit dieses alternativen Treibstoffes im Vordergrund stehen, wenn der Verbrauch nicht ganz für eine Entscheidung reicht. Autogas-Fahrzeuge verursachen die niedrigsten Abgaswerte, die zurzeit in Verbrennungsmotoren realisiert werden können. Der Kraftstoff Autogas ist nahezu schwefelfrei und die Verbrennung erfolgt fast ohne Ausstoß von Ruß. Schadstoffe wie CO, HC, NOX und weitere gesundheits- und umweltschädigende Abgaskomponenten treten wesentlich vermindert auf. Wenn Sie Ihr tolles Classic Car öfters nutzen, könnte der Umbau daher Sinn machen. Bei historisch besonders wertvollen Fahrzeugen ist das natürlich eher seltener der Fall.

Unser Morris Minor Kastenwagen?
Wie auf den Fotos zu sehen ist, weicht der Minor nicht nur beim Treibstoff vom Original ab. Auch Antrieb & Fahrwerk sind deutlich anders. Der 1600 cc Fiat-Twin-Cam Motor leistet 100 PS. Wechselt man mit dem oben erwähnten Schalter den Treibstoff, ist kein Unterscjied erkennbar. Alles wie zuvor und ganz normal. Mur Gas nur deutlich umweltfreundlicher.

Spezialisten für Oldtimer-LPG Umbauten und weitere Informationen finden Sie hier.

Für die Unterstützung und Fotos von Fa. JKM, Feuerwehr-Fotos = Fa.Ceslik, Fa. AGZ - Paderborn, TÜV-Nord, AXA-Versicherung, Westfälische Propan GmbH und vielen Oldtimerfreunden möchten wir uns bedanken.

Samstag, 02. Februar 2019
Jürgen Feye-Hohmann
versch. ClassicIndex-Teilnehmer
Partex Global GmbH
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