denlenfrit

Weltkulturerbe Wachau: Burgen, Schlösser und schöne Landschaft

Muller Neuhaus 160 Wolfgang 160

Das die Chefredakteure der AUTO CLASSIC (Jörn Müller-Neuhaus) und der Austro Classic (Wolfgang Buchta) nicht nur über alte Fahrzeuge schreiben, sondern diese oft und gerne nutzen, das wussten wir. Als Herr Müller-Neuhaus uns seinen „Reisetipp – Die Wachau", mit Fotos von Herrn Buchta und anderen, schickten, hat uns das natürlich sehr gefreut. Solche Anregungen für schöne Oldtimer-Reisen geben wir gerne weiter. Aber musste es denn unbedingt ein Fiat-Bachetta sein?
Es ist ein schöner Einsteiger ins Oldtimer-Hobby. Die ersten Bachettas werden jetzt 20 Jahre alt. Sie können also älter sein, als der neue Besitzer, was die meisten Enthusiasten eher nicht von ihrem Klassiker sagen können. Die Idee damit offen entlang der Donau zu fahren hat uns gefallen. Warum also nicht?

Wachau 160  (5)
Wachau 160  (3)
Wachau 160  (1)
Wachau 160  (8)
Wachau 160  (7)
 Wachau 160  (4)
Wachau 160  (9)
Wachau 160  (10)
Wachau 160  (11)
Wachau 160  (13)
Wachau 160  (14)
Wachau 160  (16)
 Wachau 160  (2)
Wachau 160  (17)
Wachau 160  (18)
Wachau 160  (19)
Wachau 160  (20)
Wachau 160  (21)
Wachau 160  (22)
Wachau 160  (23)
Wachau 160  (24)
Spitz Faehre 160
Stif Goettweig semrad 160
Stift  Melk 160
Stif Goettweig semrad 160
 

Österreich hat nicht nur Berge,
sondern auch viele andere reizvolle Regionen. Wir folgen in der Wachau dem Lauf der Donau von Ybbs nach Krems und finden dort herrliche Straßen, traumhafte Orte und Landschaften, wie geschaffen für eine Tour mit dem Klassiker oder Cabrio. Wir waren mit unserem Fiat Barchetta unterwegs und entdeckten eine traumhafte Oldtimerregion.
Die Donau ist der zweitlängste Fluss Europas und für Österreich eine wichtige Lebensader. Für Freunde des gepflegten Oldtimerwanderns ist sie ein perfektes Ziel, wir erkunden an einem verlängerten Wochenende die Wachau: Es sind zwar nur recht wenig Kilometer, aber es gibt soviel zu sehen, dass wir uns dafür Zeit lassen. Niederösterreich ist von Deutschland aus über die Autobahn A1 nach Wien gut zu erreichen. Wir verlassen die Autobahn bei Amstetten und folgen der A91 etwa 15 Kilometer bis nach Willersbach, einem Ortsteil von Neustadtl direkt am rechten Donauufer. Hier beginnen wir die eigentliche Tour, die immer dem Lauf der Donau bis Krems folgt.
Erste Station ist die Gemeinde Ybbs, die ihren Namen dem gleichnamigen Fluss verdankt, der hier in die Donau mündet. Ybbs erhielt schon 1317 die Stadtrechte und war im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt. Heute zieht die Stadt ihre Bedeutung aus dem Kraftwerk Ybbs-Persenbeug. Wír lassen die hübsche Altstadt von Ybbs schnell hinter uns und folgen dem Donaubogen auf der Landstrasse L5320. Wir geniessen das satte Grün der lieblichen Flusslandschaft und erreichen schon bald Pöchlarn, die auch als „Nibelungenstadt" bezeichnet wird, weil sie im Nibelungenlied als Stammburg des Rüdiger von Bechelaren – dem frühmittelalterlichen Ortsnamen – bezeichnet wird. Kulturfreunde können in Pöchlarn dem Geburtshaus des Malers Oskar Kokoschka, das heute auch als Galerie dient, einen Besuch abstatten.
Kurz nach Pöchlarn biegen wir rechts auf die L104 in Richtung Autobahn und gleich wieder links. Wir bummeln gemütlich im vierten Gang und mit offenem Dach auf der Landstrasse bis nach Melk. Die Sonne meint es gut mit uns, der Himmel ist strahlend blau, der Fiat brummt friedlich vor sich hin und bringt uns zuverlässig in Ferienstimmung. Schon vor der Stadtgrenze von Melk – dem Tor zur Wachau – beherrscht rechterhand das prunkvolle Stift Melk die Stadt. Das 1702 bis 1746 im Barockstil erbaute Benektinerkloster, dessen Geschichte bis ins Jahr 1089 zurückreicht, gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und ist unbedingt eine Besichtigung wert! Der Marmorsaal und die Stiftsbibliothek mit über 100.000 Bänden faszinieren mit grandiosen Deckenfresken. Auch der Blick vom Stift auf die Donau ist atemberaubend.
Historische Zeugen
Noch benommen von der Pracht des Melker Stifts fahren wir etwa 15 Kilometer direkt an der Donau entlang, kurz nach Aggsbach-Dorf biegen wir rechts ab und fahren auf einer kleinen, kurvenreichen Bergstrasse hinauf zur Ruine Aggstein, einer der vielen Burgruinen, die auf den Berghöhen entlang der Donau von früheren Zeiten erzählen. Christine Jäger, die die Ruine verwaltet, bringt uns bei einer mitreissenden Führung die Geschichte und das mittelalterliche Leben in einer Burg nahe – sie scheint hier jeden Stein persönlich zu kennen! Nach einem Imbiss in der romantischen Schlosstaverne werfen wir noch einen Blick auf das grandiose Donaupanorama und starten mit der Barchetta zu unserem nächsten Programmpunkt, dem Stift Göttweig.
In Weißenkirchen, auf halber Strecke nach Göttweig, machen wir einen kurzen Halt und nehmen Quartier im Raffelsberger Hof, einem Renaissancebauwerk, das 1574 als Schiffsmeisterhaus gebaut wurde. Wir sind begeistert von dem herrlichen Ambiente des behutsam restaurierten Hauses und fühlen uns sofort wohl. Hier werden wir die nächsten Nächte fürstlich verbringen!!
Nachdem wir die Koffer entladen haben, fahren wir weiter nach Rossatz. Die Straße folgt den sanften Windungen der Donau, die links von uns vorbeizieht. Gegenüber von Rossatz sieht man am anderen Donauufer den Ort und das Stift Dürnstein. Der auffällige blau-weiße Turm der Stiftskirche gilt als Wahrzeichen der Wachau. Wir werden der Kirche auf der Rückreise einen kurzen Besuch abstatten.
Kurz hinter Rossatz machen wir auf einem Parkplatz mit Blick auf den Schiffsanleger von Dürnstein eine Pause. Viele kleine Motorboote flitzen an uns vorbei, eine leichte Brise umfächelt uns und sorgt für eine wunderbar entspannte Stimmung. Gegenüber vom Parkplatz sehen wir plötzlich ein Schild und eine steile Treppe den Berg hinauf. Neugierig überqueren wir die Strasse, und erfahren, das an dieser Stelle im 17. Jahrhundert die Rossatzer Bürger einen Kreuzweg errichteten als Dank für den damaligen Sieg gegen die Türken. Wallfahrer kommen heute nicht mehr hierher, wohl aber Touristen, die vom höchsten Punkt des „Berg Calvari" aus einen Blick auf das Donautal werfen.
Weiter geht´s mit der Donau im Blick nach Stift Göttweig. Auf der Höhe von Krems, das auf der anderen Donauseite liegt, folgen wir den Hinweisen zum Stift, das in der Ortschaft Fürth auf einem Hügel thront. Schon von aussen ist das riesige und hervorragend restaurierte Anwesen, das zu den ältesten Klöstern Österreichs zählt, beeindruckend. Ein großer Teil der prunkvollen Räume, die Stiftskirche und die Kaiserstiege, das größte Barocktreppenhaus Österreichs, sind im Rahmen von Führungen zugänglich, aber noch heute leben und arbeiten etwa 50 Mönche im Stift in strenger Klausur – ihr Wohnbereich und die rund 140.000 Bände umfassende Bibliothek sind nicht öffentlich zugänglich. Das Stift bietet das ganze Jahr über Veranstaltungen, Ausstellungen sowie Übernachtungen im Exerzitienhaus. Ein Restaurant mit großer Terrasse verwöhnt mit hervorragender regionaler Küche, hier sind vor allem die regionaltypischen Nachspeisen wie der „Göttweiger Marillenbreznschmarrn" zu empfehlen.
Kulinarisches Kulturgut
Vom geistlichen Genuss geht es nun zum hochgeistigen Teil der Tour, in Angern-Krems an der Donau haben wir eine Verabredung mit Frau Tanzer-Aufreiter, die uns ihren „Weinhof Aufreiter" zeigt. Der Familienbetrieb baut Wein und Marillen an und vermarktet die Produkte im eigenen Hofladen und im Internet. Man merkt der jungen Bäuerin den Stolz auf ihren Betrieb und ihre schöne Heimat an, als sie uns durch die Weinberge und ihre Marillengärten führt. Einen Tag vor unserem Besuch hat in der Wachau die Marillenernte begonnen. Bei einem Glas Sekt, versetzt mit köstlichem Marillensaft aus eigener Produktion, gibt Frau Tanzer-Aufreiter uns den Tipp, unbedingt den „Marillenkirtag" in Spitz zu besuchen. Auf diesem Volksfest gäbe es alles, was aus der Marille hergestellt wird: köstliche Marillenknödel, Marmelade, Säfte, und natürlich Brände und Liköre! Im Jahr 2015 findet der Marillenkirtag vom 17.–19. Juli statt.
Wir notieren den Tipp für den nächsten Tag, denn heute stehen noch eine Weinprobe und die Besichtigung der Winzergenossenschaft Krems auf dem Programm, dem größten Weinproduzenten Österreichs. Neben hochmoderner Kellertechnik begeistert vor allem der historische und heute noch genutzte Weinkeller: Hunderte von Metern führen die Gewölbegänge in den Untergrund hinein, links und rechts flankiert von großen hölzernen Weinfässern, in denen der Rebensaft reift. Der zweite Termin in Krems ist die Kunstmeile – die quirlige Donaustadt beherbergt eines der größten und international bedeutendsten Ausstellungszentren Österreichs und befasst sich mehrheitlich mit Kunst des 20. Jahrhunderts. Das Kontrastprogramm befindet sich gleich auf der anderen Straßenseite: Das einzige Karikaturenmuseum Österreichs widmet sich der Zeichenkunst von politischer Karikatur bis hin zu Comic und Cartoons.
Von Krems aus fahren wir an der Donau entlang zurück nach Weißenkrichen und freuen uns auf einen gemütlichen Abend im Raffelsberger Hof. Bevor wir dort in der Hotelbar einen Absacker zu uns nehmen, gehen wir zum Abendessen einige hundert Meter zum Heurigen von Anton Noibinger. Wir nehmen Platz an einem der Tische im großen Garten der Wirtschaft und werden sogleich aufs Beste bedient: zur deftigen Heurigenplatte mit Wurst und Käse aus der Region genehmigen wir uns einen köstlichen Weißwein aus der Wachau – so schön kann das Leben sein!
Die Fähre und der Auspuff
Am nächsten Morgen, nach einem genussvollen Frühstück im Raffelsberger Hof, fahren wir wieder Richtung Krems, halten uns jedoch links, denn wir haben einen Termin auf der Burgruine Senftenberg, etwa zehn Kilometer abseits des linken Donauufers im Kremstal. Die Zufahrt über eine winzige Schotterstrasse ist abenteuerlich und erfordert Aufmerksamkeit, damit die tief liegende Barchetta nicht unsanft aufsetzt. Die Burgruine wird von einem ehrenamtlich tätigen Verein erhalten. Ing. Ludwig Niederreiter, der Obmann des Vereins, führt uns durch die schroffen Überreste der wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert erbauten Höhenburg, die der Verein heute auch für Veranstaltungen aller Art vermietet.
Fast den ganzen Vormittag erkunden wir das tausendjährige Gemäuer und können uns an dem grandiosen Fernblick von der Ruine auf das Kremstal und das Flüsschen Krems, das sich durch Senftenberg hindurch schlängelt, kaum satt sehen. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns später, das wir weiter müssen! Über die kleine und kurvenreiche Bundesstrasse L73 nähern wie uns dem Ort Senftenberg. Dort gönnen wir uns eine kulinarische Mittagspause im Weinhaus-Restaurant Nigl direkt an der Krems und lassen es uns bei gehobener regionaler Küche im romantisch angelegten, urgemütlichen Wirtsgarten schmecken. Das Menü ist wirklich hervorragend, hat „Hauben"-Qualität, wie die Österreicher wohl sagen würden. Und auch der Service ist perfekt: wir fühlen uns wie bei guten Freunden und können uns kaum dazu aufraffen, unsere Tour fortzusetzen!
Auf der linken Donauseite fahren wir immer am Fluß lang, bis wir Dürnstein erreichen. Auch dieser Ort kann auf eine tausendjährige Geschichte zurückblicken und rühmt sich unter anderem, das Richard Löwenherz von 1192 bis 1193 auf Burg Dürnstein gefangen gehalten wurde. Von Dürnstein aus fahren wir durch Weißenkichen nach Spitz – wir möchten den berühmten Mariellenkirtag besuchen und setzen dazu mit der Donaufähre auf´s andere Ufer über. Diese Idee war leider nicht gut, denn wir beim befahren der steilen und schmalen Rampe zur Fähre setzen wir auf und reissen uns dabei den Auspuff der Barchetta ab. Damit fällt der Kirta-Ausflug aus, denn wir warten auf den ÖAMTC, der nach 45 Minuten erscheint und Gottseidank in der Lage ist, den Auspuff so zu flicken, das wir mit normaler Lautstärke weiter fahren können. Statt beim mariellenkirtag lassen wir den Abend in Weißenkirchen daher gemütlich wieder beim Heurigen der Familie Noibinger bei einem Schoppen und einer deftigen Brotzeit ausklingen.
Abschied von der Wachau
Unser letzter Tag in der Wachau beginnt mit einem umfangreichen Frühstück im Hotel. Bis Mittag stehen noch zwei Ziele auf dem Reiseprogramm: Schloss Artstetten und die Basilika Maria Tafel im Nibelungengau, der Region zwischen Ybbs und Melk, die ihren Ursprung im Nibelungenlied hat.
Wir bummeln mit geöffnetem Dach die Donaustraße gegen den Strom der Donau nach Westen und biegen bei Klein-Pöchlarn, nach gut 20 Kilometern, rechts ab nach Artstetten. Schloss Artstetten war die Heimat von Erzherzog Franz Ferdinand, der bei dem Attentat in Sarajevo, das den ersten Weltkrieg auslöste, erschossen wurde. Seit 1982 beherbergt das Schloss ein Museum, das die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner nachzeichnet. Im Eingangsbereich begrüßt ein Graf & Stift die Besucher – in einem Fahrzeug dieser Marke wurden der Erzherzog und seine Gattin Sophie 1914 in Sarajevo erschossen. Das Museum gibt spannende Einblicke in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg und das Leben des Erzherzogs, der nicht nur ein besessener Jäger, sondern auch ein Autonarr war. Die Führung zeigt aber auch, dass ein Leben als Thronfolger im Adelskorsett sehr viel komplizierter und problembeladener war, als es der äußerliche Prunkt vermuten lässt.
Die letzten fünf Kilometer führen uns über sanfte geschwungene Strassen an Feldern und Waldstücken vorbei über Unterthalheim und Oberthalheim zur Basilika Maria Taferl. Das Barockjuwel ist der wichtigste Wallfahrtsort Niederösterreichs. Unsere Wallfahrt führt uns jedoch zum Mittagessen in das Restaurant Donauterasse im Haus Krone. Dort geniessen wir einen grandiosem Rundblick auf die Donau und die hervorragende Küche. etwas wehmütig nehmen wir nach dem Essen Abschied von der Wachau, denn nun geht es über Marbach nach Persenbeug über die Donau und dann auf die Autobahn wieder Richtung Heimat. Eines ist jedoch sicher: Wir kommen wieder!

Text: Jörn Müller-Neuhaus
Fotos: Jörn Müller-Neuhaus,. Jutta Müller-Neuhaus, Gregor Semradt, Wolfgang M. Buchta/Austroclassic

Mittwoch, 04. Februar 2015
Jürgen Feye-Hohmann
: Jörn Müller-Neuhaus, Fotos: Herren Müller-Neuhaus, Semradt, Buchta und Frau Müller-Neuhaus
Partex Global GmbH
Hier erfahren Sie mehr über Classicindex und die Denke der Leute die hinter diesem Projekt stehen.
Unser Impressum
Datenschutzerklärung
Von Luft und Liebe kann keiner leben auch wenn die Dichter das so verkündeten. Aber unsere Gebühren sind sehr klein im Anbetracht der Leistung.
Sie können uns auch mit einer Banner-Werbung unterstützen. Wie das geht erfahren Sie hier.