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Jim Clark-Revival vom 26. bis 30. April 2007


Heiße Boliden

Bis knapp an die 30-Grad-Marke reichte das Thermometer und das Verwöhnklima beim Jim Clark-Revival 2007 war überall anzutreffen: Sei es auf der Rennstrecke, wo in 18 Rennserien knapp 650 Starter aus 23 Nationen dabei waren, sei es auf dem Boxendach, wo kulinarische Spezialitäten, großformatige Rennsport-Gemälde und Drucke, antiquarische Autoliteratur oder seltene Klassiker angeboten wurden, sei es im prall gefüllten Fahrerlager, wo es Motorsport zum Anfassen satt gab oder beim atemberaubenden Aufmarsch der Oldtimer zum größten rollenden Automobilmuseum
Deutschlands am Samstagabend bei untergehender Sonne – das Jim Clark-Revival auf dem Hockenheim-Ring sprengte im positiven Sinn alle Erwartungen. Die Rekordzuschauerzahl von 33.500 Besuchern – darunter auch ehemalige Rennsport-Größen wie Kurt Ahrens, Hubert Hahne, Hans Herrmann oder Jochen Mass, die anlässlich einer Feier zum 75jährigen Bestehen des Hockenheim-Rings an die badische Rehnstrecke gekommen waren – passte da bestens ins Gesamtbild und freute nicht zuletzt die gesamte Organisation.

Wegen der schon nach der letztjährigen Austragung übergroßen Nachfrage war das dritte Jim Clark-Revival dieses Mal als „Race Week“ apostrophiert worden und dauerte von Donnerstag bis Montag. Attraktive historische Rennserien wie die FIA Thoroughbred Grand Prix Cars und dem Orwell Supersport Cup wechselten ab mit aktuellen Rennserien wie dem ATS Formel 3 Cup -der deutschen Meisterschaft für diese Fahrzeug-Kategorie.

Spektakuläre Rennen mit unzähligen Überholmanövern bildeten das Salz in der bestens angerichteten Suppe. So in der FIA Lurani Trophy für Formel Junior-Rennwagen der Baujahre 1956 bis 1963: Im ersten Lauf am Samstag lieferten sich der Schweizer Urs Eberhardt (Lotus 27) und der Italiener Emanuele Benedini Brabham BT6) einen packenden Zweikampf, mit teilweise mehreren Führungswechseln pro Runde. Das Duell spitzte sich schließlich so zu, dass sie in der letzten Runde in der Sachs-Kurve kollidierten, Eberhardts Lotus sich überschlug und beide aus dem Rennen waren. Eberhardt: „Wir sind beide das ganze Rennen über zu hart gefahren. In der Sachs-Kurve lag ich vorne, aber Emanuele hat mir die
Tür zu gemacht. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man den Kies unter dem Helm hört.“

Mit neuem Helm, unlackiert und strahlend weiß wie auch der seines Gegners, gingen die Beiden ins sonntägliche Rennen, das zunächst Benedini bis zur Zweidrittel-Distanz in Führung sah, bevor Eberhardt in Führung gehen konnte. Nur für eine halbe Runde allerdings, dann kollidierte der Schweizer mit einem zur Überrundung anstehenden Fahrer, der vom heraneilenden dunkelgrünen Lotus völlig überrascht wurde. Eberhardt: „Es gab keinerlei blaue Flaggen. Wir hatten beide keine Chance. Wegen genau solch einer Situation hatte ich die Führung übernommen, da traf es
Benedini.“

Der Italiener brachte seinen Brabham sicher und ungefährdet ins Ziel, allerdings explodierte in der Auslaufrunde sein Motor. Der Italiener trocken: „Schon Enzo Ferrari hat gesagt, dass der perfekte Rennwagen als Sieger die Ziellinie überquert und dann auseinander fällt.“

Von einer großen Ausfallquote, allerdings während und nicht nach dem Rennen, war der Orwell Supersport Cup gezeichnet. Schon im ersten Lauf fielen elf der 29 gestarteten Rennwagen mit technischen Defekten oder Fahrerfehlern zum Opfer, darunter auch die deutschen Lokalmatadoren Gerd Wünsch (Lola T 222), Peter Schleifer (March 707) und Peter Hoffmann (McLaren M8F), wobei Letzterer mit lichterloh brennendem Heck in der Spitzkehre ausrollte. Zwar schafften es die Mechaniker, das fast vollständig mit Löschmaterial überzogene Fahrzeug bis zum Lauf am Sonntag zu reinigen, doch nach einer beherzten Fahrt, die Hoffmann bis auf Rang zwei brachte, war mit einem Motorschaden nach fünf Runden Schluss. So siegte der Engländer John Grant (McLaren M8C/D) in beiden Rennen überlegen.

Ebenso souverän brachte Christian Gläsel seinen Sieg in der FIA Thoroughbred Grand Prix-Serie unter Dach und Fach. Dominierend vom ersten Training an, schaffte der Deutsche, der seit Spa im vergangene Herbst nicht mehr im Cockpit des vom Kumschick-Team eingesetzten Brabham BT-49 gesessen hatte, einen bilderbuchmäßigen Start-Ziel-Sieg und wiederholte damit seinen Vorjahreserfolg.

Die schnellste Runde und Platz zwei ging an den Engländer Peter Sowerby, der einen Williams FW-07 C lenkte und als einziger das gesamte Rennen über in Schlagdistanz zu Gläsel blieb. Platz drei ging an den Spanier Joaquin Folch in einem zweiten Brabham BT-49.

In den beiden Läufen des Historic Formula 2 Club wurde es nichts mit einem Sieg des blitzschnellen Engländers Martin Stretton in seinem dunkelblauen March 712. „Ich fahre ja nur einen 1600er. Die anderen um mich herum sitzen in Zweiliter-Fahrzeugen, da habe ich auf dem langen Weg zur Haarnadel kaum eine Chance. Die überfallen mich aus dem Windschatten. Doch auf dem Rückweg ins Motodrom und in der Arena selbst habe ich wieder Chancen. Das ist Racing pur.“

Leider dauerte der Kampf um den Sieg für Stretton im Samstags-Rennen nur ganze zwei Runden, dann kollabierte das Lenkgestänge. So ging der Sieg an den Franzosen Christian Million im knallroten Ralt RT1 vor dem lange führenden Schweden Bo Warmenius im blauen March-BMW 772. Am Sonntag entwickelte sich dann aber das von Stretton vorausgesagte Duell. Am Ende trennten den Sieger Warmenius, den zweitplatzierten Steve Maxted (Lola T360) und Stretton lediglich 2,5 Sekunden.

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Die GTC-TC ´71/´81

Spannenden Sport boten auch die Rennen der GTC-TC, die Serie für historische GT und Tourenwagen bis Baujahr 1971 beziehungsweise 1981. Bei den neueren Fahrzeugen hielt die schwarze Corvette von Timo Scheibner (D) fast sensationell mit den beiden Procar BMW M1 von Christian Traber (CH) und Marc Devis (B) mit, bevor ein Getriebeschaden kurz vor Schluss die Fahrt beendete. Unangefochtener Publikumsliebling in dieser Rennserie war allerdings ganz klar der weiße Ford Mustang des Niederländers Dirk Waijenberg, der Runde für Runde immer spektakulärere Drifts in die Sachs-Kurve zauberte und mit abenteuerlichen Driftwinkeln begeisterte und zu „standing ovations“ hinriss.

Der am Samstagabend unternommene Versuch, mit der längsten rollenden Oldtimer-Schlange der Welt den Eintrag ins Guinness Book of World Records zu schaffen, ging leider knapp daneben: Statt der erhofften und nötigen 988 Klassiker bis Baujahr 1977 zählte die unbestechliche Zeitnahme „nur“ 908 Fahrzeuge. Doch alle, die dabei gewesen sind, nahmen das unter die Haut gehendes Erlebnis mit nach Hause zusammen mit der Gewissheit, einen neuen deutschen Rekord aufgestellt zu haben. Und was ist nicht (Weltrekord), kann ja noch werden, vielleicht im kommenden Jahr, wenn es am letzten April-Wochenende 2008 wieder heißt:

Auf nach Hockenheim zum International Historic Grand Prix

Jim Clark-Revival 24. – 27. April 2008

{xtypo_sticky}Bilder vom JCR 2007 in der Galerie {/xtypo_sticky}

Montag, 07. Mai 2007
Jürgen Feye-Hohmann
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