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HomeClassic JournalWerkstattElektrikElektronischer Zündverteiler im Oldtimer

123_Tune_Ignition

Ein programmierbarer, elektronischer Zündverteiler in einem Oldtimer?
Ein frisch überholter Motor und ein 45 Jahre alter, originaler Zündverteiler. Passt das zusammen?
Wir wussten nicht was richtig ist und fragten Herrn Lietz vom deutschen Pagodenklub. Er hat uns geraten den alten Verteiler des 280 SL durch eine 123 Ignition-Anlage zu ersetzen. Diese seien besser als ein neues Original und deutlich besser als billige Repliken, mit nur fast originaler Technik. Haben wir gemacht und wurden positiv überrascht.

  • Das Fahrzeug: 280 SL Pagode Automatik, Baujahr 1970, neuwertiger Motor, der Rest in gutem Zustand.
  • Der Zündverteiler: „123 Ignition/ Tune", 280 SL-Zündkurve war bereits vorprogrammiert
  • Hersteller: Albertronic.BV in NL.
  • Lieferant: "Brits\'n\'Pieces"
  • Tuning-Spezialist: „mto-engineering"

Der Zündverteiler

Beim Original
wird der Zündfunke über Unterbrecherkontakte ausgelöst. Der zur jeweiligen Drehzahl passende Zündzeitpunkt wird über Feder-beaufschlagte Fliehgewichte gesteuert. Die Zündkennlinie kann durch die Wahl der Federn (Federkraft & Kraftzunahme bei Auslenkung) beinflusst werden. Verschleiß an beweglichen Teilen, Alterung des Federmaterials, Abbrand am Zündkontakt führen zu Veränderung der Zündkennlinie, verschlechtern die Motorleistung, das Anspringen und vieles mehr.
Eine Restauration ist bei Spezialisten möglich, wenn diese einen speziellen Prüfstand haben. Ersatz für Verschleissteile und ein beachtliches Sortiment an passenden Federn und sehr viel Zeit, Geduld und Know How ist ebenfalls erforderlich.

Brighton
Leiterplatte
Einstellung
ungl. Federn
USB Slot

Der 123 Ignition ähnelt optisch dem Original. Außer der Hauptwelle hat er keine beweglichen Teile. Er hat keine Unterbrecherkontakte, keine Federn und keine Fliehgewichte. Er hat nur einen Computerchip und andere Elemente, die auf einer Leiterplatte montiert sind, welche die Aufgaben der mechanischen Verstellung übernehmen. Das System gleicht dem, was heute bei modernen 4Takt-Motoren eingesetzt wird. Auf dem Chip unseres Verteilers war die Standard-Zündkurve für den280 SL bereits einprogrammiert.

Die Montage und Zündeinstellung wurde bei einem Mercedes-Oldtimerspezialisten vorgenommen. Es war sehr einfach, hätte ich auch selbst geschafft. Die Laufruhe des Motors war nach dem Umbau deutlich verbessert. Das kannte ich bereits von unseren anderen Oldtimer, wo nicht progammierbare 123-Ignition montiert wurden. Auch sonst war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der Verbrauch war geringer als mit dem zuvor montiertem originalen, mechanischen Zündverteiler. Ungewöhnlich war nur das jetzt neue „Burrrr" - Geräusch beim Gas-wegnehmen. Laut Hr. Pauli von MTO, kann auch das mit der besseren Verbrennung des Treibstoffes zusammenhängen. Ursache auch hier die sehr genaue Einhaltung des vorgegebenen Zündpunktes durch den 123-Verteiler.

Einstellung des Verteilers:
Man hätte die Programmierung so wie angeliefert lassen können. Wir wollten mehr! Laut Hersteller ist es möglich, die Zündanlage während der Fahrt umzuprogrammieren. Eine, auch in Grenzbereichen ideale Einstellung wird jedoch nur auf dem Rollenprüfstand erreicht. Wir haben daher diese zweite Möglichkeit gewählt.

Optimierung der Zündkurve:
Die Firma „mto-engineering" ist ein Motor Tuning Spezialist, der sich um die optimale Einstellung von Verbrennungsmotoren kümmert.
Hier wird alles optimiert, vom Mähdrescher bis zum modernen Bugatti, Ferrari und Bentley-Sportwagen. Oldtimer natürlich auch und was für welche. Einige der Fahrzeuge haben wir hier gezeigt. Das war schon beeindruckend was uns dort gezeigt wurde. Auch was die Austattung der Firma MTO betrifft. Mehrere Rollenprüfstände, auch für Allradantrieb sind vorhanden. Ein Kühlgebläse mit den Abmessungen habe ich bei keinem anderen Prüfstand gesehen. Das ist erforderlich, weil hier auch Rennfahrzeuge eingestellt werden, bei denen das Kühlsystem für höhere Geschwindigkeiten bzw. für mehr Fahrtwind ausgelegt ist.

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Das Ergebnis vorweg: Herrn Pauli, einer der beiden Geschäftsführer von MTO, meinte dass der Mercedes nach optimaler Zündeinstellung ca. 30 PS* mehr hätte, als mit dem alten Originalverteiler. Die gleichmäßige und ruhige Anzeige (Markierung unter der Stroboskop-Lampe), die bereits mit der Voreinstellung erreicht wurde, hatte auch ihn überrascht. Diese Verbesserung zum Original war auch in den Kurven und Anzeigen seiner Messgeräte zu erkennen.

Unser Ziel: Ideale verbrauchs- und kostenoptimierte Zündeinstellung

Das Leistungs-Plus hängt damit zusammen, dass der optimale Zündpunkt mit diesem Verteiler, auf dem Prüfstand, sehr genau festgelegt werden kann. Die im Treibstoff steckende Energie wird dadurch deutlich besser ausgenutzt und in zusätzliche Kraft umgewandelt. Daher das Leistungsplus bei gleichem Verbrauch.

Bedeutet das "höherer Verbrauch?
Jain! Wenn man seinen Fahrstiel nicht verändert, ohne das Leistungsplus zu nutzen, dann sinkt der Verbrauch sogar. Wird das Plus in Maßen genutzt, steigt der Verbrauch nicht unbedingt, der Spaßeffekt steigt jedoch deutlich, weil man zumindest gefühlt, danach ein anderes Auto hat.

Im Wesentlichen ging es uns jedoch nicht um höhere Geschwindigkeiten und nicht um zusätzliche PS. Die sind bereits ausreichend vorhanden.

Schwaben und Menschen aus Ost-Westfalen sind angeblich geizig. Mag sein. Unser Ziel war nicht die höhere Endgeschwindigkeit. Daher haben wir eine Verbrauchs-optimierte Zündkurve einprogrammieren lassen, die in Teilbereichen deutlich von der ursprünglichen Mercedes-Kurve abweicht. Und es funktioniert. Auf einer sehr vorsichtig gefahrenen Tour durchs Umland sind wir mit 10 Litern / 100 km (230 km - 24 Liter) ausgekommen. Etwas flotter bewegt liegen wir auch jetzt bei dem bekannten Verbräuchen, weil das "Plus" gelegentlich abgefragt wird.

Noch mehr Sparpotential vorhanden!
Zusätzlich haben wir die zweite Kurve des Verteiler für "Super-Benzin" - also nicht "Super-Plus" optimieren lassen. Mit einem Schalter unter dem Armaturenbrett kann man jetzt zwischen Kurve 1 und Kurve 2 wechseln. Der Leistungsunterschied zur Super-Plus Kurve ist nicht wirklich spürbar. Eigentlich tanken wir seit dem Umbau nur noch den günstigeren Sprit. Der Invest hat sich also in jeder Beziehung gelohnt.

Spezialisten die bei Fragen zum 123-Ignition helfen können und weitere Berichte zu dem 123-Verteiler finden Sie hier unter "123 Ignition".

Das ist nicht original!
Dazu sollte jeder seine eigenen Grenzen festlegen. Die Geräte ähneln dem originalen Verteiler sehr. Wem das absolut originale Aussehen wichtig ist, der kann bei der Firma "Brits\'n\'Pieces" die 123-Tune-Technik in seinen originales Verteiler-Gehäuse auf einbauen lassen. Die 123-Lösung ist in jedem Fall besser als eine teure Restauration des Originals und deutlich besser als billige "Asien-Originale", die nur auf den ersten Blick eine Alternative sein könnten.

*Wegen vieler Nachfragen: 30 PS mehr bedeutet nicht 210 PS statt der originalen 180 PS. Mit dem verschlissenen Verteiler lag die Leistung bei ca. 150 PS. Mit dem 123 Tune und optimaler Einstellung waren es etwas über 180 PS. Der 123 Verteiler ist sehr zu empfehlen, aber zaubern kann auch er nicht.

Diese von „mto-engineering" bereitgestellte Fotos zeigen Renwagen bei der Optimierung der Einstelldaten. Es werden aber auch moderne PKWs und Nutzfahrzeuge optimiert.

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Donnerstag, 09. Juni 2016
Jürgen Feye-Hohmann
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