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Die aktuell beeindruckend steigende Oldtimer-Preise lockt nicht nur Geldanleger an. Auch weniger kompetente Werkstätten erkennen die Möglichkeit des schnellen Geldes. Unbedarfte Käufer sind enttäuscht wenn nach kurzer Zeit das Braune wieder durch kommt, während alt- eingesessene Restaurateure die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Wir unterstützen kompetente Werkstätten und empfehlen erfahrene Gutachter als Kaufbegleiter.

Hier die Presseinfo der Firma Dönni zu dem Thema:

Buyer beware...

Neulich hörte ich die Klage: dieser XK 150 sei erst gerade in Deutschland mit der Zustandsbewertung 1 gekauft worden. Was ich sehe, ist eine bemitleidenswerte Carrosserie, die in Epoche-gerechtem Ford reseda-grün metallic glänzt - und wirklich nur die Carrosserie. Kofferdeckel, Türen, Motorhaube, Dämmmaterialien fehlen alle schon. Warum bemitleidenswert, die Unzahl an zusammen geschweißten Blechen, die nie in die originale Form gebracht wurden vor dem Anlöten, - ja Sie haben richtig gelesen, gelötet nicht geschweißt, ist überwältigend. Keine der Formen stimmt, alle Radien dieser kurvenreichen Kreation von William Lyons gleichen in keiner Art dem Original.

Dieser Wagen ist ein weiterer Beweis, dass die Zustandsskala, wie sie vor allem mit Inbrunst im großen Kanton angewendet wird, unbrauchbar ist. Immer wieder verlangen Interessenten von uns, dass wir unsere Fahrzeuge aus dem Handelsbestand mit oben genannter Zustandsskala bewerten. Unsere Autos sind alle Zustand 1. Aber dies ist natürlich zu kurz gegriffen. Zu eindimensional, X-Achse: 1 = perfekt, 6 = Abbruch. Die FIVA begriff, dass diese Bewertung nicht ausreichend war, also führte sie eine Y-Achse ein, A – X. Diese Bewertungsskala scheint aber auch nicht befriedigt zu haben und so wurde sie wieder abgeschafft. Ich bin für eine weitere Dimension, die Z-Achse. Nie wird das Handwerks-, bzw. Restauratoren-Handwerk beurteilt und dies ist das große Problem, das wir hier bei uns in der Old Mill immer wieder antreffen. Auch Restaurationen aus dem tiefen Ostblock tragen eine neue Lackschicht, sind teilweise mit neuen Teilen bestückt, haben frisches Leder, Teppiche und Kunstleder im Innenraum verlegt. Also Note 1.?? Spätestens nach 5 Jahren muss der Besitzer dann aber feststellen, dass trotz pfleglicher Behandlung und spärlichem Einsatz seines Lieblings der Wagen zu zerfallen beginnt. Der Motor verliert Öl und läuft rau, der Lack beginnt abzuplatzen, an den kritischen Stellen zeigt sich Rost in dieser oder jener Form, etc. etc. Aus diesem Grunde bin ich für eine Z-Achse, welche die Machart bewertet. Ein Beispiel aus unserer Werkstatt. Wir verwenden ausschließlich Connolly-Leder. Ein Material so problembehaftet, dass ich darüber vielleicht später Mal schreiben werde. Aber! Es altert korrekt und sieht auch nach 30 Jahren, zwar nicht mehr frisch, aber immer noch korrekt im Klassiker aus und der Kenner fragt sich, ob die Sitze wohl die Zeit so gut überstanden hätten, dass sie immer noch die Originalbezüge tragen.

Zurück zur neuen dreiachsigen Bewertungsskala. Dies ist die Lösung. Aber halt, was ist wenn der Wagen von einem hervorragenden Autolackierer gespritzt worden ist, der Sattler aber Spannteppiche aus dem Baumarkt verbaut hat? Als ich in den Anfängen der Belmot-Versicherung in der Schweiz die Expertisen machte, hieß es aus Deutschland, dass ein Auto einfach eine Zustandsnote zu bekommen hätte, damit sei genügend gesagt über den Zustand. Zumindest bei meinen Kundenfahrzeugen war dies aber bei Weitem nicht möglich, da gewisse Wagen über Jahre hinweg eine rollende Restauration erfuhren und so hervorragende Seiten haben konnten, zugleich aber auch sehr schwache Stellen. Also muss die Dreiachsenbewertung auf jede Komponente erweitert werden. Nun wird es aufwändig.

Der aufmerksame Leser spürt vielleicht schon in welche Richtung mein Aufsatz geht. JEDER Klassiker ist ein Individuum, dessen Zustand vom Einsatz während seiner Lebensdauer, der Bereitschaft der Besitzer Geld auszugeben und vom Wissen und dem Talent der gewählten Handwerker zum Unterhalt oder Erhaltung abhängt.

Kurz: wer das Abenteuer liebt, kauft den Wagen, der ihn anspringt. Danach beginnt er zu forschen und entdeckt immer viel Interessantes. Er wird Gutes und Schlechtes entdecken. Wer nicht gerne unnötige Überraschungen erfährt, beauftragt einen echten, routinierten Spezialisten, das ins Auge gefasste Objekt zu analysieren. Am besten einen Markenspezialisten, denn nur der kann gewisse Details originaler Machart, Aussehen eingeschlagener Nummern usw. beurteilen. Trotz überlegtem Vorgehen wird das neue Familienmitglied mit dieser oder jener Surprise aufwarten. Garantiert. Oder wie ich in der Rechtskunde in England einmal lernte: Caveat Emptor, buyer beware.

Diese Überlegungen sollen Ihnen auf keinen Fall die Freude an Ihrem Klassiker nehmen, sollte er Mängel irgendeiner Art aufweisen. Aber wir sehen nur allzu oft, dass Neubesitzer enttäuscht über Ihre Anschaffung sind oder sich betrogen fühlen. Daher unbedingt vorher informieren, dann weiß man auf was man sich einlässt und böse Überraschungen bleiben aus. Auch in diesem Zusammenhang haben wir gerade von einem Bekannten gehört, der ein Fahrzeug einer anderen Marke mit der deutschen Zustandsnote 1 importiert hat. Das betreffende Auto ist mittlerweile zerlegt, der Ärger groß und Garantieleistungen jedwelcher Art sind Wunschdenken.

Frohes Zusammenleben mit dem metallenen Familienmitglied wünscht
Georg Dönni & Team

 

 

Donnerstag, 08. Februar 2018
Jürgen Feye-Hohmann
Partex Global GmbH
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