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HomeClassic JournalUmweltOffroad - Autowracks im Schwedischen Wald

offroad 160 12Eine Geschichte, die sich so in der heute ökologisch bewegten Zeit nicht mehr ereignen könnte. Mitte der 1950er Jahre fingen die schwedischen Brüder Ivansson an, gebrauchte Autos zu horten. Zu der Zeit war der Import von Neuwagen nach Norwegen staatlich reglementiert. Eine Gesetzeslücke erlaubte jedoch den Import von Ersatzteilen.

So siedelten sich die Brüder im Nirgendwo an der schwedisch-norwegischen Grenze (im Dorf Båstnäs) an, sammelten und zerlegten alte Autos, fuhren nach Norwegen und setzten dort die Einzelteile wieder zusammen. Eine Goldgrube mitten in den tiefen Wäldern Schwedens. Das Geschäft lief gut und Båstnäs wurde zum Mekka für alle, die irgendwelche Autoteile suchten. Autos wurden einfach im Wald abgestellt und ausgeweidet. Als die Brüder 1986 die Werkstatt aufgaben, blieben ca. 1.000 Autos einfach im Wald liegen. 28 Jahre später sind sie immer noch dort. Schöne Autos mit Charakter, nicht wie das heutige automobile ­Einerlei.

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Durch einen Zeitungsartikel wurde die Hamburger Fotografin Antje Bakker (geb. 1970) auf den wilden Autofriedhof aufmerksam und fuhr nach Schweden, um dort zu fotografieren. Entstanden ist ein poetisches Essay über das Ende eines Autolebens. Mit stimmungsvollen Bildern beschreibt die Fotografin (selbst Liebhaberin alter Autos) ihre Eindrücke aus einem Wald, wo gestapelt oder lose verstreut die vormals prachtvollen Fahrzeuge ihr Ende gefunden haben.
Einmal waren es Träume in Blech, die glänzend aufpoliert in den Geschäften auf ihre sehnsüchtigen Käufer warteten. Nun stehen sie im Wald, nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Lack ist ab und die Naturgesetze verrichten selbst bei den damals verwendeten dicken Blechen ihr Werk. Wie inszeniert liegen die Autos da, mitten im Wald im Nirgendwo. Hier ist die Endstation jeder Mobilität. Traurig schöne Stillleben für die Kamera, ein Horror für jeden engagierten Ökologen.
Die Fotografin berichtet, dass sie trotz gründlicher Vorbereitung etwas überfordert war, als nach einer langen, unwegsamen Fahrt durch die Wälder Schwedens die ersten Wracks wie Wächter die Straße säumten. Später dann betrat sie die mit Autos gefüllten Wälder und Lichtungen und konnte nur mühsam den visuellen Overkill verarbeiten. Wo man hinsah boten sich mannigfach morbide Stillleben an. Wie durch Jagdfieber getrieben lief die Antje Bakker herum und fotografierte zunächst ohne ein klares visuelles Konzept alles, was ihr aufgefallen ist. Dennoch sind dabei einige bemerkenswerte Bildgruppen entstanden. Wie zum Beispiel die hier gezeigten Ansichten von Einzelfahrzeugen.
Atmosphärisch dichte Einblicke von einer bizarren Welt voller Widersprüche. Automobile, für immer zur Bewegungslosigkeit verbannt. Eine Umweltsünde ohnegleichen auf der einen, ein reizvolles Memento mori, ein visuelles Requiem für Automobile auf der anderen Seite. Doch das Unbehagen wächst und es gibt bereits Pläne, den Autofriedhof zu räumen.

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Bericht mit freundlicher Unterstützung von "Denis Brudna - PHOTONEWS - Zeitung für Fotografie". Fotos: Antje Bakker. Mehr Informationen zu der Fotografin finden Sie "hier"!

Anmerkung CI.eu:

Kaudorf 160Berichte von ähnlichen Plätzen, an denen Fahrzeuge der Natur überlassen wurden, lösen bei Enthusiasten unterschiedlich starke Emothionen aus. Einige scheinen bei dem Anblick zu leiden! Andere würden gerne retten, was zu retten ist oder sie sind voller Bewunderung für solche, von der Natur geschaffenen "Kunstwerke".
Was pasiert, wenn Mitarbeiter von Behörden und übereifrige Umweltschützer, auch an solchen Orten die Welt retten wollen, das konnte man in der Schweiz beobachten. Von dem "Historischer Autofriedhof Gürbetal" gibt es nur noch ein paar beeindruckend schöne Fotos und ein wieder blitzsauberes schweizerisches Wäldchen.

Dienstag, 10. März 2015
Jürgen Feye-Hohmann
Denis Brudna / Fotos: Antje Bakker
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