denlenfrit
HomeClassic JournalUmweltOhne Zusatz Bleifrei tanken?

Zu dem Bleifrei-Thema ist schon viel gesagt worden. Das Markt-Magazin hat vor vielen Jahren einen vergleichenden Test mit zwei alten Opel Kadetts gemacht. Das Practical Classics Magazin hatte, zur gleichen Zeit, einen Bericht zum gleichen Thema

thumb_bleifrei1_thumb.jpg
Bleifrei?

veröffentlicht, der wenig Mut machte. Bei diesen Untersuchungen, mit insgesamt nur 2 Testkandidaten, ist das Ergebnis nicht besonders aussagefähig. Das gleiche gilt natürlich auch für meinen Bericht. Für ein genaues Ergebnis sind viel umfangreichere Untersuchungen erforderlich. Die wird es aber nicht geben, weil es dafür keinen wirtschaftlich sinnvollen Grund gibt. Das Ergebnis meiner Untersuchung kann also rein zufällig sein, es muss deswegen aber nicht falsch sein. Da viele englische Oldtimer ein ähnliches Motorenkonzept haben, ist das Ergebnis, nach meiner Überzeugung, übertragbar auf alle Modelle mit Zylinderköpfen aus Gußeisen. 1985 habe ich für meinen Morris von Andreas Hohls (jetzt Mini Mania ) einen silver seal Austauschmotor bekommen. Der Motor war ungewöhnlich gut und brauchte nur wenig Öl.

Die Umstellung auf bleifreies Benzin begann 1984. Für meine Vereinsfreunde (British Classic Car Club Oldenburg) hatte ich mich bei der Petrolindustrie schlau gemacht. Die Westfalen AG war damals als Einzige zu Hilfe bereit. Ein Mitarbeiter sagte mir, dass vor 1930 das Benzin (aus Apotheken) ohnehin bleifrei gewesen sei. Später wurde, wegen der höheren Verdichtung der Motoren, zur Erhöhung der Klopffestigkeit, Blei zu gefügt. In den 40ger oder 50ger Jahren habe nur Aral, statt pulvermaar.jpgbleihaltiger Zusätze, Benzol (also wie heute) verwendet. Er vermutete, dass die damals auftretende „Tankwartekrankheit" hiermit zusammenhing. Damals gab es ja noch keinen Self-Service und Absauganlagen. Die Tankwarte hatten viele Gase einatmen müssen.

1988 sprach ich mit einer Kölner Tuningfirma, die damals erste Kopfumbauten angeboten hatte. Der Preis war 100 DM / Zylinder, da der Rohstoff sehr teuer sei. Der Meister meinte aber, dass ich mir den Umbau sparen könne. Das Problem ist die fehlende Schmierung des Ventilsitzes durch das Blei. Grauguss, wie er bei den meisten alten Engländern verwendet wird, enthält Grafiteinlagerungen die für Schmierung sorgen. Weiter sei die Ventilsitzoberfläche durch das Hämmern verdichtet und sehr hart geworden. Oft ist dies ja noch mit verbleitem Benzin passiert. Aber zurück zu meinem Morris. Ich bin seitdem nur noch Bleifrei gefahren. Keine Zusätze, keine veränderte Zündeinstellung. Das Ventilspiel wurde anfangs häufiger geprüft, aber es wurde nichts Besonderes festgestellt. Nach einigen Jahren und vielen Fahrten zu Oldtimertreffen und Urlaubsfahrten (England natürlich und überall um Deutsachland herum) ließ die Motorleistung etwas nach und beim Starten hatte ich hinten die dunkle Wolke, die einige von uns kennen. Die ganzen Jahre hatte ich einen Ersatzkopf liegen (sicher ist sicher) ihn aber nie gebraucht. Also austauschen und den alten Kopf untersuchen. Die Zylinderlaufbahnen sahen noch aus wie neu. Im kopflos800.jpgZylinderkopf hatte sich, vor allem bei den beiden mittleren Brennräumen, viel Ölkohle abgelagert. Die schwarze Wolke kam von den verschlissenen Ventilführungen. In Brennraum 1 und 4 hatte sich nur wenig Ölkohle abgelagert und die Ventile waren schön rehbraun. Bei den ausgebauten Ventilen hatten die Einlassventile und Sitzflächen eine blanke und gleichmäßige Dichtfläche. Die Auslassventile hatten im Sitzbereich eine dünne glatte Schicht aus eingebranntem Öl was offensichtlich die Kompression reduzierte. Sie waren aber nicht verbrannt. Nach dieser Laufleistung ist das OK. Um die Auslassventil-Oberfläche beurteilen zu können, wurde das eingebrannte Öl mit einem Poliermittel, ohne zu schmirgeln, entfernt. Die nur unter dem Mikroskop sichtbaren Oberflächenfehler im. 1000tel mm-Bereich sind keine Hinweise für ein, durch bleifreies Benzin, verursachtes Problem. Eine Verformung der Sitzfläche oder andere Veränderungen z.B. beim Ventilspiel habe ich nicht festgestellt. Die Zylinderlaufflächen sind ohne erkennbaren Verschleiß. Ich habe meinen Kopf noch von BRITISH CARS DETMOLD prüfen lassen. Auch hier die Auskunft: „Alle Veränderungen sind völlig normal und haben mit bleifreiem Benzin nichts zu tun." Inzwischen habe ich weitere Informationen gesammelt, habe mit Fachleuten von der Deutschen Schell, Motor-Instandsetzern und Technikreferenten von Vereinen gesprochen. Meine Erfahrung wurde ähnlich gesehen, wobei die Vertreter von Firmen aus rechtlichen Gründen bei ihren Aussagen sehr vorsichtig sein müssen. Mercedes-Benz sagt z.B. das auch alle alten Mercedes-Motoren bleifrei betrieben werden können. Bei Motoren ohne gehärtete Auslass-Sitzringe sollte vorsichtshalber alle 10 000 km das Ventilspiel geprüft werden. Bleiersatz-Additive können laut Mercedes und Deuvet sogar negative Auswirkungen haben.

Aus rechtlichen Gründen kann das hier natürlich nur eine Beschreibung meiner persönlichen Erfahrungen sein! Ob Ihr jetzt weiter Zusätze benutzt oder Euer British Classic Car nur bleifrei betankt, das muss jeder selber entscheiden. Einen Verschleiß des Sitzes erkennt Ihr, wenn das Ventilspiel kleiner wird. Mein Kopfwechsel ist inzwischen über 8 Jahre her. Veränderungen am Ventilspiel sind im normalen Bereich.

Freitag, 28. September 2007
Jürgen Feye-Hohmann
Partex Global GmbH
Hier erfahren Sie mehr über Classicindex und die Denke der Leute die hinter diesem Projekt stehen.
Unser Impressum
Von Luft und Liebe kann keiner leben auch wenn die Dichter das so verkündeten. Aber unsere Gebühren sind sehr klein im Anbetracht der Leistung.
Sie können uns auch mit einer Banner-Werbung unterstützen. Wie das geht erfahren Sie hier.