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HomeClassic JournalAus der SzeneSzene AllgemeinDIE RÜCKKEHR DES VERLORENEN SOHNS

Jaguar XJ40

In dem Bericht über "DIE RÜCKKEHR DES VERLORENEN SOHNS" geht es um den Jaguar XJ40, die womöglich letzte echte Wildkatze aus Coventry. Lange galt er als Paria, doch 30 Jahre nach seiner Vorstellung muss man sich die Frage stellen, ob der Jaguar XJ40 womöglich die letzte echte Wildkatze aus Coventry war.

Dass Automobile im Laufe der Jahre auf dem Weg zum Klassiker-Status Umwege einlegen, Haken schlagen und auch mal Pausen einlegen, ist nichts ungewöhnliches. Dass manche Automobile ob ihres Misserfolgs skurrilen Kultcharakter erlangen ebenfalls nicht.

All dies trifft auf den Jaguar XJ40 allerdings, wenn überhaupt, dann nur sehr eingeschränkt zu. Doch auch er wird heute mit anderen Augen betrachtet als während der vorherigen 30 Jahre, die er nun schon auf unseren Straßen anzufinden ist: Wirkte der XJ40 vor etwas mehr als einer Dekade noch bieder und wenig kunstvoll, erscheint er heute wunderbar klar gezeichnet und von nahezu perfekten Proportionen. Neben den modernen Fahrzeugen, wie sie mit Sicken und Lichtkanten überfrachtet das Antlitz unserer heutigen Straßen definieren, gibt sich der XJ40 diskret auf die Wirkung seiner Silhouette und Proportionen vertrauend.

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Freilich ist der XJ40, bei aller nachträglicher Anerkennung, eines erkennbar nicht: das Werk eines Künstlers. Ganz im Gegensatz zu seinem Urvater, dem XJ der ersten Serie, der noch maßgeblich vom Auge des Jaguar-Gründers und -Chefstilisten Sir William Lyons geprägt worden war (und, am Rande erwähnt, vom alten Herrn gar als sein Meisterwerk tituliert worden war). Bis heute gibt es denn auch keinen einzelnen Designer, der den XJ40 auf seine Kappe nimmt. Dies ist allerdings nicht darauf zurückzuführen, dass der Wagen seinen Erschaffern peinlich ist, sondern liegt daran, dass dessen Form enorm viele Väter hatte.

Bei jenen Beteiligten handelte es sich keineswegs nur um Designer, sondern auch um Ingenieure wie Bob Knight, den legendären Chef-Entwickler jener Tage, und dessen späteren Nachfolger, Jim Randle. Deren Einfluss ist unter anderem zu verdanken, dass der XJ40 über eine prononcierte Kotflügel-Scheitellinie verfügt, welche dem Fahrer perfekten Überblick über die Dimensionen des Vorderwagens ermöglicht. Ganz wie beim Vorgängermodell, übrigens. Chefdesigner Doug Thorpe wiederum hinterließ seine Handschrift am ehesten erkennbar an der Chromblende oberhalb des Heck-Kennzeichens, die dezente Art-Déco-Ornamente aufweist (und einen der wenigen Bezüge zum XJ-S Coupé darstellt, an dem ebenfalls Thorpe mitgewirkt hatte).

Doch die Beteiligung eines bestimmten Mannes dürfte dafür sorgen, dass konservativen Jaguar-Connoisseuren der Sherry sauer aufstößt. Denn als es darum ging, die Details am ansonsten fertigen Karosserieentwurf zu bearbeiten, brachte sich niemand geringeres als Sir William persönlich ein.

Bei einem Besuch des alten Herrn im Designstudio ergab es sich, dass Jaguar-Chef John Egan seinen Vorgänger auf das kontroverseste stilistische Element des neuen XJ ansprach: die rechteckigen Scheinwerfer. Egan erklärte, nicht komplett überzeugt davon zu sein, das klassische vier-Augen-Gesicht beim XJ40 aufzugeben. “Ich bin es aber”, erklärte Sir William daraufhin, knapp und bestimmt wie eh und je. Und zweifelsohne zum Schrecken manches Jaguar-Traditionalisten.
Mag der XJ40 - egal mit welchen Scheinwerfern versehen - zwar über manch’ stilistische Mängel im Detail verfügen, so steht er doch auf seinen vier Rädern, wie ein Jaguar dazustehen hat. Ohne die eigenartige Hochbeinigkeit späterer Modelle, ohne schlaffe Überhänge. Dabei ist diese Silhouette wohl zum Teil tatsächlich dem Zufall geschuldet. Denn das vermeintliche Ammenmärchen, wonach das Heck des XJ40-Prototyps auf dem Weg zum 3D-Scan im Karosseriewerk leicht absackte, entspricht laut Entwicklungschef Jim Randle wahrscheinlich der Wahrheit! “Man kann es ja so betrachten, dass das stärker abfallende Heck Jaguar-hafter ist als die vorherige Ausführung”, meint Randle heute dazu jedenfalls trocken.

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Doch sein Ass zieht der XJ40 erst in jenem Moment, wenn man seinen Innenraum betrachtet. Denn dank, insbesondere aus heutiger Sicht, verblüffend hochwertig verarbeiteter Echthölzer (ab der Sovereign-Ausstattung gar mit echten Intarsien versehen!), der traditionellen Connolly-Ledersitze und wohlplatzierter Chromakzente (die in den Achtzigern einen krassen Anachronismus darstellten) besitzt der XJ40 ein Innenraum-Ambiente, wie es eben nur ein wahrer Jaguar bieten kann. Und wie schon in der Vergangenheit, hat man sich hier auch was die Fertigungskosten anbelangt nicht lumpen lassen. Alleine die gewölbten Edelholzblenden der Mittelkonsole waren ein entwicklungs- wie fertigungstechnischer Albtraum, den durchzustehen sich jedoch gelohnt hat.

Dass der XJ40 als letzter Jaguar mit dem traditionellen Zweispeichen-Lenkrad - samt ovalem Signet aus der Serie III - aufwarten kann, passt da nur ins Bild. Diesen Innenraum braucht man nicht schönzureden. Dieser Innenraum ist Jaguar in Reinkultur, woran auch einst moderne Zugaben wie halb-digitale Instrumenteneinheit oder die “J-Gate” genannte Gangwahlkulisse des Automatikgetriebes nichts ändern.

Wie anfangs erwähnt, wäre es in er Tat falsch, den XJ40 als stilistisches Meisterwerk zu verklären. Dafür ist seine Entstehung zu sehr geprägt von äußeren Umständen, seine Form zu sehr definiert von Notwendigkeiten statt Visionen. Doch gleichermaßen albern wäre es zu behaupten, der XJ40 sei irgendetwas anderes als der letzte echte Jaguar.

Ursprung, Autor & Kontakte:
Gefunden haben wir diesen Bericht auf Auto-Didakt.com. Ein Blog über interessante Autos, spannendes Design und die Menschen dahinter stehen. Autor ist Christopher Butt. Er hat uns freundlicherweise diese etwas gekürzte Version zugesendet. Den vollstädigen Bericht findet man "hier".
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Motag, 24. Oktober 2016
Jürgen Feye-Hohmann
copy rights Christopher Butt
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