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Tuner, V8-Surf-Cars

Die kommende Bremer Classic Mototorshow zeigt nicht nur Originale sondern, als Angebot für den Nachwuchs der Klassikerszene, auch deutlich modifizierte Fahrzeuge. Natürlich würden viele alte Hasen das so niemals machen, sogar strikt ablehnen. Denkt man jedoch zurück, in die Zeit wo man selbst noch Teeny oder Twen war. Nichts war so, wie die Alten es gemacht hätten. Freuen wir uns also auf interessante Lösungen und darüber, dass es auch weiter Schrauber & Bastler gibt, die etwas mit alten Fahrzeugen machen.

Sein halbes Leben lang schraubt Philipp Kaess bereits an Youngtimern, um sie stärker, leichter und schneller zu machen – und das mittlerweile vor großem Publikum: Auf mehr als eine halbe Million Klicks kommen manche YouTube-Tutorials des 33-Jährigen. Schritt für Schritt erklärt er darin, wie er etwa seiner 2000er Audi-S4-Limousine die Optik eines RS4-Avant verpasst: „Ein Lebenswerk, an dem ich seit zehn Jahren dran bin“, so Kaess. Vor wenigen Monaten dann der Rückschlag, die Limousine brannte bei einer Routinefahrt vollkommen aus. Jetzt ist ein kompletter Neuaufbau nötig. Die fertige, aber noch blanke Rohkarosse stellt der Hannoveraner im Rahmen der Bremen Classic Motorshow 2020 von Freitag bis Sonntag, 31. Januar bis 2. Februar, in der Messe Bremen aus.
„Eine der drängendsten Fragen der Szene ist die nach dem Nachwuchs. Tuner wie Philipp Kaess zeigen, dass es nach wie vor ein großes Interesse an klassischen Fahrzeugen gibt, aber die nachrückende Generation teilweise anders mit Old- und Youngtimern umgeht“, sagt Frank Ruge, Projektleiter der Bremer Oldtimermesse. Das Tunen klassischer Fahrzeuge für mehr Leistung oder Individualität sei ein Aspekt, der deshalb in Bremen nicht fehlen dürfe, so Ruge. Darum geht es auch bei einem weiteren Langzeitprojekt von Kaess, das ebenfalls in Halle 5 zu sehen ist: dem 32 Jahre alten Golf 2 seines Freundes Marius Wehmeier, ausgestattet mit einem XXL-Turbolader im Motorraum, markantem Heckspoiler und Überrollkäfig. Der ist auch nötig, denn der getunte VW bringt es mit seinem 900-PS-Frontantrieb auf über 300 Stundenkilometer.
Zwar würde René Tollkühn sich nicht als Tuner bezeichnen, aber auch er hat sich der Individualisierung seiner Klassiker verschrieben. Der 46-Jährige ist bevorzugt auf zwei Rädern unterwegs und für ihn gehört das Umbauen, also Customizing, zur Kultur des Motorradfahrens. An seiner schiefergrauen 1977er Seeley-Honda CB 750 Four sind nur noch der Rahmen, der Tank, der Motor und die Radnaben original. „Den Rest habe ich nach meinen Vorstellungen optimiert. Dadurch ist die Straßenmaschine nun leichter, handlicher und sieht auch besser aus“, sagt Tollkühn.
Zu sehen ist Tollkühns Seeley-Honda bei einer Premiere auf der Bremen Classic Motorshow: die Classic Custom Motorcycle Lounge im Spiegelsaal der Halle 1 mit 40 einzigartigen Motorrädern, die doch zwei Gemeinsamkeiten haben. Es sind individuelle Umbauten, die auf der Basis von Rahmen klassischer, vor 1995 gebauter Motorräder entstanden sind. Dort steht etwa eine Moto Guzzi Le Mans 3 neben einer BMW R 60 aus den 1980er-Jahren, beide sind kaum wiederzuerkennen. Die ausgestellten Maschinen aus Kategorien wie Bobber, Scrambler, Tracker und Cafe Racer spiegeln die Kreativität auf höchstem handwerklichem Niveau der norddeutschen Customizer-Community wider. „Und auch diese Szene wächst“, weiß Tollkühn, der ein Online-Forum für rund 17.000 Cafe-Racer-Interessierte betreibt.
Mehr Klassiker, die nicht den gängigen Kriterien entsprechen, sehen die Besucher etwa in Halle 6. Dafür gemacht, lange Strecken zurücklegen zu können, und serienmäßig mit einem Acht-Zylinder-Motor ausgestattet, strotzen die fünf US-amerikanischen Wagen der 1960er- bis 1980er-Jahre nur so vor Patina. Statt im originalgetreu restaurierten Sammlerzustand fahren die „V8-Surfcars“ mit Rost, Beulen und Aufklebern vor und bringen noch heute Wellenreiter zum nächsten Surfspot. „Kombis, Busse, Jeeps und Pick-ups, also Modelle, die statt mit Exklusivität vor allem mit einem hohen Nutzwert und gutem Preisleistungsverhältnis punkten konnten, waren bei den Surfern gefragt“, sagt Helge Thomsen, der die – gerade auch beim jüngeren Messepublikum beliebte – V8-Ausstellungsreihe seit 2018 mitkuratiert. 2020 sind etwa ein 1959er Ford Ranch Wagon und ein Dodge Van A 100 von 1966, das Pendant zum VW-Bus, dabei.
Seit Anfang 2020 zählt die nächste Generation von VW-Bussen zu den Oldtimern: der T4. Der Nachwuchs für die Klassikerszene sei gerade bei den 25- bis 35-Jährigen sehr gefragt, weiß der Bulli-Experte Dirk Klöß. Anhand einer präparierten T4-Caravelle ohne Einbauten erläutert er in täglich stattfindenden Workshops, auf welche rost- und korrosionsanfälligen Teile Kaufinteressierte besonders achten sollten.
Die Bremen Classic Motorshow findet statt von Freitag bis Sonntag, 31. Januar bis 2. Februar 2020, in allen Hallen der Messe Bremen sowie in der mobilen Halle 8. Die Hallen sind von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 16 Euro. Besucher, die den Park+Ride-Service nutzen und ihr Auto im Parkhaus Airport Bremen parken, erhalten Karten für sich und ihre Mitreisenden schon für 14 Euro. Zudem bekommen sie für 7 Euro ein Parkticket, das zugleich als Fahrschein für die Straßenbahn gilt – die Mitfahrer eingeschlossen.

Ein Tuning-Beispiel, nicht in Bremen aber bei Youtube zu sehen

Mittwoch, 29. Januar 2020
Jürgen Feye-Hohmann
Presseinfo Messe HB
Bildergalerie:
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