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Foto Jaguar PresseInfo

Die bislang auf mehrere Standorte verteilte Abteilung Classic von Jaguar Land Rover ist seit gestern im wahrsten Sinne des Wortes unter einem Dach zusammengefasst. In Coventry hat das Unternehmen für sieben Millionen Pfund (ca. 7,9 Millionen Euro) mehr als nur ein Gebäude für die Traditionspflege errichtet – entstanden ist ein einmaliges Werk für alte Autos. „Dies ist eine Traumfabrik, wo Träume gemacht und Träume wahr werden“, schwärmt John Edwards, Managing Director Special Operations bei den Briten. In seinem Bereich ist das Projekt Jaguar Land Rover Classic Works angesiedelt.

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„Es ist nicht nur das größte, sondern auch das einzige Werk seiner Art“, betont Tim Hannig, Director JLR Classic. 1,5 Millionen ältere und alte Jaguar und Land Rover sollen weltweit noch existieren. Und in Coventry wird dafür gesorgt, dass sie noch möglichst lange leben. 80 Mitarbeiter – 120 sollen es bis Ende des Jahres sein – kümmern sich hier bis zur letzten Schraube um die Autos. Und das ist wörtlich zu nehmen. Kundenfahrzeuge werden von den Jaguar-Land-Rover-Spezialisten zunächst nach einem 121-Punkte-Katalog durchgecheckt und bei Bedarf komplett zerlegt, gründlich überholt und wieder zusammengebaut oder einfach nur gewartet. Auf Wunsch, wie in einem konkreten Fall, mutiert da auch schon einmal ein E-Type-Linkslenker am Ende der Generalüberholung zum Rechtslenker. Die Autos, die hier wieder so gut wie neu die Werkshalle verlassen, kommen aus aller Welt. Von Hongkong bis um die Ecke in Coventry selbst.

Gleich mehrere Land Rover der ersten Serie stehen bei JLR Classic Works, entweder komplett zerlegt oder wieder so gut wie neu. Wie es der Zufall wollte, stellten die Restauratoren bei zwei parallel restaurierten Fahrzeugen plötzlich fest, dass sie von der Originalfertigung nur fünf Chassisnummern auseinanderlagen.

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Vom damals schnellsten Seriensportwagen der Welt, dem XJ 220 aus den frühen 1990er-Jahren, wurden keine 300 Stück gebaut. Aktuell stehen gleich sechs Stück im neuen Gebäude in einem eigenen Bereich zur Grundüberholung. Dort sind auch einige Mitarbeiter tätig, die noch zu Produktionszeiten an dem Supersportwagen mitgewirkt haben. Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen der Baureihe hat Jaguar zusammen mit Pirelli sogar einen neuen Hochgeschwindigkeitsreifen für den Youngtimer entwickelt, dessen Typenbezeichnung für seine Spitzengeschwindigkeit von 220 Meilen in der Stunde steht. Das sind über 350 km/h.

Die originale Werkskompetenz ermöglicht aber noch mehr: Den Bau alter Autos, die es gar nicht mehr gibt – oder die es gar nicht gegeben hat. Unter dem Motto „Legends Continued“ hat JLR Classics neun XKSS für solvente Kunden neu auferstehen lassen, deren Fertigstellung seinerzeit ein Brand im Werk Browns Lane im Februar 1957 verhinderte. Alle Autos sind zum Stückpreis von rund 1,5 Millionen Euro übrigens bereits verkauft. Ebenfalls nach den Originalspezifikationen komplett neu gebaut wurden sechs E-Type Lightweight. Jaguar hatte 1963 zwölf Fahrzeuge gebaut und bereits die Fahrgestellnummern für ein weiteres halbes Dutzend Exemplare vergeben – die Kleinserie dann aber mittendrin abgebrochen.
Darüber hinaus kauft JLR Classic selbst sammelwürdige Fahrzeuge auf, um sie nach der Komplettüberholung zum Kauf anzubieten oder übernimmt in der 14 000 Quadratmeter großen Halle einfach nur Servicearbeiten für etwas in die Jahre gekommene Fahrzeuge. Viele Menschen fragten sich oft, was die beiden inzwischen in einem Unternehmen zusammengefassten Marken eigentlich gemeinsam hätten. Es ist nicht nur die Herkunft aus den britischen Midlands. Sowohl Land Rover als auch Jaguar, so erinnert Tim Hannig, stellten ihr erstes Modell 1948 vor. Und beide hatten einen Stahlrahmen, aber eine Aluminiumkarosserie.

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Zu Jaguar Land Rover Classic gehört auch ein Lager mit rund 30 000 Originalersatzteilen für die Klassiker der Marken. In Coventry ist außerdem ein Teil der insgesamt rund 700 Autos umfassenden Fahrzeugsammlung des Unternehmens untergebracht. Darunter befinden sich beispielsweise der letzte vom Band gelaufene Jaguar E-Type oder der braune XJ, mit dem Firmenchef Williams Lyons täglich ins Stammwerk Castle Bromwich fuhr. Aber auch 200 Kinderautos mit Pedal-, Strom- oder Benzinantrieb haben die Sammler zusammengetragen.

Die Eröffnung des neuen Stammsitzes der Klassikabteilung fiel genau auf den 60. Jahrestag des größten Motorsporterfolgs von Jaguar. Am 14. Juni 1957 fuhren bei den 24 Stunden von Le Mans fünf D-Type unter den ersten sechs Fahrzeugen über die Ziellinie, und zwar auf den Plätzen eins bis vier sowie sechs. Ein Dreifach-Triumph war zuvor noch keiner Marke gelungen, auch wenn Jaguar vor 60 Jahren nicht mehr als Werksteam angetreten war. Bereits 1951 hatte ein Jaguar C-Type den Motorsportklassiker, der am bevorstehenden Wochenende wieder stattfindet, gewonnen. Zwei Jahre später holte Jaguar ebenfalls mit einem C-Type den ersten Sieg für einen Rennwagen mit Scheibenbremsen. Die ruhmreiche Rückkehr an die Wurzeln des historischen Erfolgs gelang Jaguar 1988 mit dem XJR-9 V12. Einer der Fahrer des Siegerautos wird neuer Cheftester von Jaguar Land Rover Classic Works. Andy Wallace wird alle Autos vor der Auslieferung noch einmal testen. Auf Wunsch weist die 56-jährige Rennfahrerlegende die Besitzer auch in das Fahrzeug ein. (ampnet/jri)

Weiterführende Links: Jaguar Land Rover

Donnerstag, 15. Juni 2017
Jürgen Feye-Hohmann
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