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Bild1 160Der 25. Mai 2014 war ein gutes Wochenende für Oldtimer-Enthusiasten. Bei bestem Wetter fanden eine Vielzahl von Oldtimer-Events statt. Auf dem Hamburger Heiligengeistfeld fand die "Street Mag Show 2014" - mit ca. 2000 aus ganz Europa - ist das vermutlich Deutschlands größte American-Car & Harley-Show. Im Rahmen der gelungenen Veranstaltung wurden Hot Rods, Custom Cars, Low Ridern und Harley-Davidsons präsentiert. Neben den Fahrzeugen vermittelten Diners und Rock'n Roll - Livemusik und American Food den Gästen ein Gefühl von Route 66. Andreas Hensing war dabei. Hier sein Bericht:

Street Mag Show 2014– das heißt im Klartext: zwei Tage Trubel, brüllende Motoren, quellende Abgaswolken und ausgiebig zelebrierte amerikanische Lebensart im Schatten des Millerntors. Und den Schatten konnte man insgesamt gut gebrauchen, denn Petrus war gnädig mit allen Beteiligten. Inhaltlich kam allerdings eine Besuchergruppe eindeutig zu kurz – nämlich Freunde echter Oldtimer, die am liebsten ein wirklich originales Auto sehen wollten. Gut, solche Fahrzeuge gab es auch, wie z.B. den 1948er Plymouth, der auf der Magazinbühne ausführlich präsentiert wurde. Aber sie wirkten gegenüber den meisten anderen Wagen eher farblos. Schrill war angesagt, crazy, verrucht, verrückt... maskuline Boliden eben. Erlaubt war, was gefiel.

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Seit der Premiere dieser Veranstaltung im Jahr 1989 hat die Fangemeinde der US-Cars gewaltig zugenommen – ebenso wie die Tuning-Szene, die an diesen zwei Tagen zahlreiche Kostproben ihres Könnens ablieferte. Ebenso wie die vielen – teilweise hochtalentierten – Schrauber, die die Umbauten ihrer Schätzchen selbst vorgenommen hatten. Von der braven Familienkutsche bis zum Highspeed-Dragster war alles versammelt, was Coke in den Adern und Burger im Hals hatte.
Nehmen wir zum Beispiel ein blaues Familienvehikel, dessen V8 ob seiner schwächlichen Leistung mal eben auf 10 Liter aufgebohrt, stolze 1.200 PS auf den Prüfstand brachte.
Oder den Chrysler Le Baron, eine eher biedere Mittelklasse-Limousine mit einem 3 Liter V6-Motor – in den USA ein echtes Arme-Leute-Auto, vor allem als Gebrauchtwagen. Immerhin, es war ein Cabriolet, das dem Besitzer zudem ein klein wenig Raum für Individualisierungen ließ. Angefangen mit den Flügeltüren, die sich in der Szene wachsender Beliebtheit erfreuen.
Dann die aufwändige Airbrush-Verzierung, eine klitzekleine HiFi-Anlage für die Beschallung einer veritablen Kleinstadt. Dann könnte man ja noch den Auspuff und die Felgen mit 24karätiger Goldauflage veredeln. Und wem es jetzt noch an Aufmerksamkeit fehlen sollte, der baut vielleicht noch eine Theater-Nebelanlage ein und ein wenig Hydraulik, um als „Low Rider" vor den Augen des staunenden Volkes ein kleines Tänzchen aufs Parkett – äh... Sträßchen – zu legen.

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Mit Flügeltüren, ein wenig Airbrush-Kunst und viel Liebe zum Detail lässt sich auch aus einer simplen Corvette ein echter Hingucker zaubern.
Nicht nur der Airbrush-Adler hat Schwingen
Jedes Detail passte – auch die Glücksbringer
Was sind da schon fünf Jahre Arbeit für diese kleine Individualisierung...
Natürlich lässt sich auch aus einem 37er Chevy-Truck etwas Außergewöhnliches gestalten, was uns Olli mit seinem knallroten Exponat bewies. Der gelernte Flugzeugmechaniker fuhr den Wagen zunächst 15 Jahre lang als ganz normales Alltagsauto, bis ihn die Bastelwut ergriff und er begann, aus dem Gebrauchswagen einen Hot Rod zu entwickeln.
Immerhin, die Ladefläche blieb als Bauteil erhalten, wenngleich er sie mit einer Hydraulik versah, um sie um Manneslänge anheben zu können. Das erfüllt zwar nicht wirklich einen Zweck, außer, dass sie jetzt als großzügiger Sonnenschutz dienen kann.
Die Hot-Rod Szene entwickelte sich in den 50er Jahren in Amerika, als die Jugend begann, ihre Vorkriegsautos etwas aufzumotzen und sich – meist illegale – Rennen zu liefern. Das bedeutet, ein anständiger Hot Rod braucht erst einmal einen leistungsstarken Motor – nicht so einen schlaffen Chevy Small Block. Unser Exponat wurde von Olli mit Originalteilen, u.a. von Edelbrock, auf Old-School-Style getrimmt. Dann noch supereffektive Bremsen, neue Achsen – die Hinterachse stammt beispielsweise aus dem Jaguar XJ 12 – und eine Dragster-Rennschaltung.

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Das neue Interieur gestaltete Olli sehr speziell. Absolut puristisch unter Einsatz unzähliger chromglänzender Nieten. Olli nennt das Bomberstyle, da die Sitze aus einer B52 stammen. Natürlich alles selbst gebaut.
Dagegen wirkt die 61er Corvette C1 fast original – naja, bei den Felgen und Reifen könnten leise Zweifel aufkommen, denn solche Super-Breitreifen waren in den 60er Jahren nicht nur nicht „en vogue", sie waren schlichtweg noch gar nicht entwickelt.
Ein längeres Gespräch mit Frank, bei dem ich den tollen Zustand des Wagens lobend erwähnt hatte, brachte weitere Umrüstungs-Details ans Licht: Der Wagen verfügt über einen neuen Antriebsstrang mit Motor aus der Corvette C5, der 385 PS auf den Prüfstand bringt. Natürlich Einzelradaufhängung für eine perfekte Straßenlage. Für eine zügige Negativbeschleunigung sorgt die Bremsanlage, die aus einem Porsche 993 Bi-Turbo stammt... und so weiter und so fort...
Frank bietet den Wagen übrigens derzeit zum Verkauf an – seine Preisvorstellung nenne ich hier jedoch lieber nicht. Es liegt aber ein Wertgutachten vor. Bei Interesse stelle ich gern eine Verbindung zu Frank her.
Auch beim richtigen Start heben sich die Vorderräder ...
Neben Low Rider und Hot Rods darf natürlich auch die Dragsterszene nicht fehlen, in der Holger Steinmann mit Fug und Recht als ein Urgestein gilt. Seit 35 Jahren liefert er sich Beschleunigungsduelle über die Viertelmeile (402,34 Meter). Der „Oldtimer", den er präsentierte, stammt aus dem Jahr 1963. Erworben hat er ihn aus dem Museum von Dan Garlits, einem der Größten dieses Sports.
0 – 100 in 1 Sekunden
Den Vortrieb liefert ein 6-Liter-Motor mit ca. 1.000 PS in 8 Sekunden für die besagte Viertelmeile. Wenn man daraus eine uns bekannte Beschleunigungsdimension ableiten würde, nämlich den Sprint von 0 auf 100 Km/h, so läge sie bei etwa einer Sekunde – nur interessiert das niemanden, da das Ziel dann noch „lange" nicht erreicht ist. Nach 402,34 Metern liegen gute 300 Stundenkilometer an. So genau weiß das allerdings keiner, weil kein Tacho an Bord ist. Am Ziel wird dann der Bremsfallschirm ausgefahren. Schließlich will der Pilot ja auch wieder unbeschadet zum Stehen kommen.
Der Pilot hat ein eher eingeschränktes Sichtfeld – aber einen Bremsfallschirm!

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Falls es Autos geben sollte, denen ein „böser Blick" bescheinigt wird, dann gehört der 56er Dodge Royal von Stefan mit Sicherheit dazu. 21 Jahre hat er ihn schon im Besitz und natürlich auch ein klein wenig individualisiert. Auffällig ist insbesondere das Dach – nein, er ist nicht vom obersten Parkdeck darauf gefallen... der Dodge hat ganz gezielt 12 cm Höhe eingebüßt. Darüber hinaus sorgt das extra eingebaute Hydraulik-Fahrwerk für eine wahrhafte Tiefstapelei: Es lässt sich um 20 cm absenken.
Um den geschmeidigen Einstieg für Fahrer und Beifahrer zu erleichtern, hat Stefan drehbare Sitze eingebaut, die selbst mir mit 194 cm Körperlänge einen kommoden Zugang gestatten.
Ein Auto fehlte speziell mir noch an diesem Tag. Auf dem Rückweg habe ich es entdeckt. Knall-Gelb und wunderschön: eine Cobra. Gut, sie ist kein Original aus Carroll Shelbys Hand, sondern wurde 1982 von Pilgrim – einem der erfolgreichsten der 25 Repliken-Hersteller – in England gebaut. Mit Jaguar-Technik und dem Rover V8-Motor, der auch im Morgan Plus 8 für Furore sorgt. Seine 220 PS erzielen bei dem nur 1.040 Kg wiegenden Auto wirklich angemessene Beschleunigungswerte.
Der Zustand ist perfekt. Der Rahmen feuerverzinkt, Verdeck vorhanden. Michael will ihn verkaufen und ich passe rein. Aber wer soll dann unseren Morgan fahren? Also, wenn jemand von Euch Interesse hat, dann komme ich wenigstens nicht in Versuchung...

Andreas Hensing

Dienstag, 27. Mai 2014
Jürgen Feye-Hohmann
Andreas Hensing / Hanseatischer-buchverlag.de
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